Wenn es auch bei Nachnamen um Gleichberechtigung geht: Mexikanische Familien können nun über ihre Reihenfolge entscheiden

5. Februar 2026

Zu lange folgte die Reihenfolge der Nachnamen in Mexiko einer unveränderlichen Reihenfolge: zuerst die des Vaters und dann die der Mutter. Es war weder eine persönliche Entscheidung noch eine familiäre Verhandlung. Dies begann sich jedoch im Jahr 2023 zu ändern, als der Senat die Reform von Artikel 58 des mexikanischen Bundesgesetzbuches genehmigte. Allerdings können wir erst jetzt bestätigen, dass sich dieser Brauch mit seiner Ratifizierung durch den Obersten Gerichtshof der Nation im ganzen Land verändert hat.

Grundsätzlich hat der SCJN die Verpflichtung, zunächst den Nachnamen des Vaters zu registrieren, für verfassungswidrig erklärt. Damit wird das Recht mexikanischer Familien anerkannt, über die Reihenfolge der Nachnamen ihrer Kinder frei zu entscheiden. Das zentrale Argument ist, dass die Durchsetzung des Gegenteils das Recht auf Gleichheit und Nichtdiskriminierung verletzt und zusätzlich das Recht auf Identität von Mädchen und Jungen einschränkt.

Obwohl seit 2016 bereits 21 der 32 Bundesstaaten der Republik ihr Zivilgesetzbuch reformiert hatten, um Wahlen zu ermöglichen, gelingt es dem Gerichtsurteil, dieses Recht auf Bundesebene zu schützen und zu verhindern, dass eine lokale Behörde die Durchführung des Verfahrens verweigert. Daher stellt das Urteil einen wichtigen Schritt in Richtung Geschlechtergleichstellung dar. Es geht nicht nur um die Reihenfolge zweier Wörter, sondern darum, wie der Staat die Identität, Gleichheit und Vielfalt mexikanischer Familien anerkennt.

Omar Lopez

Dieses in Mexiko seit Jahrhunderten vorherrschende patriarchalische Familiennamensystem hat seinen Ursprung in der Kolonialzeit. Genau wie in Spanien wurde diese Verordnung eingeführt, um die Bevölkerungskontrolle und Verwaltungsverfahren zu erleichtern. Der Mann galt als Eigentümer und Ernährer der Familie, und das Gesetz erkannte ihn als rechtmäßigen Überlieferer der Linie an. Frauen hingegen wurden zunächst als Töchter und dann als Ehefrauen betrachtet, was dazu führte, dass ihre Nachnamen im Laufe der Generationen verblassten.

Die Erste Kammer des SCJN kam zu dem Schluss, dass die Verpflichtung, den Nachnamen des Vaters an die erste Stelle zu setzen, zu einer ungleichen Familienstruktur führt, in der der Nachname der Mutter in den Hintergrund gedrängt wird. Nach Ansicht des Gerichts betrifft dieser Brauch nicht nur Frauen, sondern auch Kinder, indem ihnen eine rechtliche Identität aufgezwungen wird, die nicht immer mit ihrer persönlichen oder familiären Geschichte übereinstimmt.

Die Entscheidung hat direkte Auswirkungen auf Familien mit nur einem Elternteil, von denen viele von Frauen geführt werden, da sie den traditionellen Familienmodellen gleichgestellt werden. Obwohl die SCJN-Resolution die Kriterien auf nationaler Ebene vereinheitlicht, waren einige Staaten bereits auf eigene Faust vorangekommen.

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Gabriel Tovar

Yucatán leistete im Jahr 2013 Pionierarbeit, indem es im Rahmen seines Engagements für die Gleichstellung der Geschlechter erlaubte, den Nachnamen der Mutter an die erste Stelle zu setzen. Mexiko-Stadt und zehn weitere Bundesstaaten haben in ihren Zivilgesetzbüchern keine zwingende Regelung festgelegt, während nur sechs Bundesstaaten an der Anforderung festhielten, den väterlichen Nachnamen zuerst anzugeben. Das Urteil des Gerichts beseitigt diese Unterschiede und garantiert das Recht auf dem gesamten mexikanischen Territorium, unabhängig von der örtlichen Gesetzgebung.

So melden Sie jetzt ein Kind in Mexiko an

Nach der Reform bleibt das Verfahren zur Registrierung eines Babys das gleiche wie bisher, allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: Die Behörden können die Registrierung nicht mehr aufgrund der gewählten Reihenfolge der Nachnamen verweigern.

Die Eltern müssen sich mit der vom Krankenhaus ausgestellten Geburtsurkunde, einem amtlichen Ausweis, einem CURP, einem Adressnachweis und einem Dokument, aus dem die gegenseitige Vereinbarung über die Reihenfolge der Nachnamen hervorgeht, an das Standesamt wenden. Wenn Sie möchten, dass der Nachname der Mutter an erster Stelle steht, muss dieser klar zum Ausdruck gebracht werden.

Im Falle einer Meinungsverschiedenheit zwischen den Eltern sieht das Gesetz vor, dass die Reihenfolge durch das Los vor einem Beamten des Standesamtes festgelegt wird. Jede spätere Änderung erfordert eine besondere Beurteilung.

Ebenso können sich Betroffene im Falle einer Verweigerung der Durchführung des Verfahrens an die Bundesanstalt für Pflichtverteidiger wenden, die bundesweit kostenlose Beratung anbietet.

Titelbild | Aditya Romansa

Leonie Brandt
Leonie Brandt
Journalistin aus Deutschland, ich beschäftige mich mit gesellschaftlichen Entwicklungen und den Veränderungen unseres Alltags. Meine Arbeit basiert auf sorgfältiger Recherche und einer sachlichen, verständlichen Aufbereitung von Informationen. Mit meinen Artikeln möchte ich Orientierung bieten und aktuelle Trends in einen klaren Zusammenhang einordnen.