Wiener Philharmoniker

Daniel Froschauer über den Beethoven-Zyklus mit Andris Nelsons


Daniel Froschauer mit seiner Stradivari "Ex Benvenuti, ex Halphen".

Daniel Froschauer mit seiner Stradivari "Ex Benvenuti, ex Halphen".

Von Robert Braunmüller / TV/Medien

Daniel Froschauer, Geiger und Vorstand der Wiener Philharmoniker, zum Beethoven-Zyklus mit Andris Nelsons im Gasteig

Gleich fünf Mal führen die Wiener Philharmoniker unter Andris Nelsons in diesem Frühjahr alle neun Symphonien von Ludwig van Beethoven auf: nächste Woche in einem vollständigen Zyklus auch in München. Daniel Froschauer ist Geiger und Vorstand des Orchesters.

AZ: Wie motiviert sich das Orchester, alle Symphonien von Beethoven innerhalb so kurzer Zeit so oft zu spielen.
DANIEL FROSCHAUER: Es werden ja nicht alle Symphonien wirklich ständig aufgeführt, die Erste, Zweite oder die Fünfte stehen seltener auf dem Programm, als man denkt. Und diese Stücke sind gar nicht so leicht zu spielen. Man muss ständig auf der Hut sein.

Hat sich der traditionsreiche Klang der Wiener in den letzten Jahrzehnten denn verändert?
Unsere Spielweise definiert sich auch durch unsere Arbeit in der Wiener Staatsoper. Dort müssen wir immer auf die Sänger hören. Ein Geiger wird bei uns immer stärker ein Gefühl für einen Gruppenklang entwickeln als für Soloklang. Bei Beethoven kommt uns das zugute, weil wir Streicher schöne Melodien aussingen können, aber auch sehr differenziert begleiten, wenn andere dran sind. Die Wiener Oboen und Hörner, die ja bei uns ja auf Instrumenten nach einer eigenen Bauweise spielen, werden auch immer bleiben.

Beethoven gilt als nicht allzu geschickter Instrumentator. Wenden Sie Tricks an, um manche Stelle besser spielbar zu machen?
Nein, bei uns wird nicht getrickst. Gustav Mahler hat da zwar heruminstrumentiert, aber das machen wir nicht. Vergessen Sie nicht, dass unser Orchester eine lange Verbindung zu Beethoven hat. Als wir vor zwei Jahren begonnen haben, uns auf diesen Zyklus vorzubereiten, wurde unser historisches Archiv involviert. Dabei kam heraus, dass wahrscheinlich bis zu zehn Musiker, die 1824 bei der Uraufführung der Neunten im Kärntnertortheater beteiligt waren, später Gründungsmitglieder unseres Orchesters waren. Zwei davon kommen sogar in Beethovens Konversationsheften vor, ein Hornist und ein Fagottist. Beethoven haben wir also seit der Gründungszeit sozusagen in unserer DNA.

Andris Nelsons wird den Zyklus dirigieren. Hat er ein Konzept?
Er betont immer wieder, dass die Symphonien Beethovens etwas Schockierendes haben müssen. Wir haben ihn am Anfang in der Oper kennengelernt, da war er großartig: Er kann alles anzeigen. Erst kürzlich hat man beim Neujahrskonzert gesehen, wie er von der ersten Probe bis zur Aufführung auf die Musiker eingeht und dennoch die Zügel in der Hand behält. Das ist auch wichtig, sonst kann es passieren, dass sich die Kollegen bei den Proben zerfleischen. Denn die Musiker haben eigene Vorschläge und es entstehen sofort Diskussionen.

Manche Orchestermusiker meinen, es wäre nicht nötig bei bekannten Stücken, alle Einsätze zu geben.
Wenn Nelsons zu uns kommt, dann kennt er zwar das Orchester und weiß, dass er nicht jeden Einsatz geben muss. Aber manche sind eben doch sehr wichtig. Denken Sie etwa an die Siebte. Für den Anfang, diesen Tuttiakkord, braucht man einen guten Einsatz, sonst zerfleddert das. Und wenn die erste Melodie losgeht im Hauptsatz, muss ein guter Rhythmus vorgegeben werden. Das können wir eben nicht allein. Natürlich würde es schon irgendwie gehen, aber das ist zu wenig.

Wie empfinden Sie die Akustik der Münchner Philharmonie?
Wir kennen die Philharmonie und wissen, dass wir dort, wie auch in der Carnegie Hall oder der Suntory Hall in Tokio, weiter auseinandersitzen als im Wiener Musikverein. Darauf müssen wir uns einstellen. Aber die akustischen Fragen der Säle werden ein wenig überbewertet. Ich finde das Publikum viel wichtiger. In München sind die Hörer sehr verwöhnt, da gibt es drei große Orchester, die alle toll spielen. Man spürt, dass die Menschen, die da im Saal sitzen, viel Ahnung haben.

Sie sind der Sohn des berühmten Chordirektors Helmuth Froschauer. Wenn Sie die Neunte spielen, hören Sie dann mit besonderer Aufmerksamkeit auf den Chor?
Naja, ich zähle jetzt nicht die Stellen, wo die Soprane zu tief sein könnten. Aber ich erlebe das intensiv mit, weil ich damit aufgewachsen bin. Der Papa hat das mit viel Herzblut gemacht.

Konzerte am 9., 10., 11. und 12. März, um 20 Uhr in der Philharmonie. Karten unter Telefon 93 60 93, www.muenchenmusik.de. CD: Alle Beethoven-Symphonien: Wiener Philharmoniker, Andris Nelsons (Dt. Grammophon)