Es gibt kaum ein spanischeres Erlebnis als den Versuch, nach dem Verzehr einer Krokette die Hände mit einer Barserviette zu reinigen und dabei nur noch mehr Fett auf den Fingern zu verteilen. Es spielt keine Rolle, wie viele Sie verwenden, am Ende haben Sie einen Berg zerknittertes Papier vor sich, Ihre Hände sind fleckig und Sie haben das Gefühl, dass diese Serviette nur aktiv gegen Sie gewirkt hat.
Und doch bleiben sie da. Widerstand gegen Moden, Renovierungen der Inneneinrichtung und die Einführung von Spezialitätencafés. Die Rede ist natürlich von den sehr dünnen und rauen Mini-Servietten, die nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil der Bars in Spanien sind. Was Sie wahrscheinlich nicht erwarten, ist, dass es eine Erklärung für das Phänomen dieser Anti-Servietten gibt.
Offiziell werden Sulfitpapierservietten einseitig satiniert genannt, ihr Existenzgrund liegt genau in dieser satinierten Oberfläche. Im Gegensatz zu normalen Zelluloseservietten, die poröser und rauer sind, haben diese eine viel glattere Oberfläche, die eher auf Ästhetik als auf Absorption ausgelegt ist. Das Ergebnis ist ein Produkt, das Flüssigkeit verdrängt, anstatt sie aufzusaugen.
Das Lustige ist, dass sie nicht einmal besonders günstig sind. Laut den Herstellern der Branche hat ihr Verbleib im Gastgewerbe eher mit der Tradition und dem klassischen Image der traditionellen Bar als mit einem wirtschaftlichen Problem zu tun. Das gedruckte Logo sieht auf dieser satinierten Oberfläche besser aus.
Darüber hinaus sind sie als Servietten zwar schlecht geeignet, verbergen aber auch eine praktische Funktion. Gerade weil sie wenig absorbieren, eignen sie sich hervorragend zum Einwickeln von fettigen oder sämigen Sandwiches. Anstatt durchzuweichen und auseinanderzufallen, wirken sie als Barriere, die verhindert, dass Öl oder Saft durch das Papier dringen. Ebenso sind sie eine gute Möglichkeit für Kellner, mit Lebensmitteln umzugehen, ohne sie direkt zu berühren.
Wenn sie auf jeden Fall weiter existieren, dann deshalb, weil sie zwar keine guten Servietten sind, aber etwas mehr repräsentieren. Eine Ästhetik. Eine Nostalgie. Eine ganz besondere Art, die spanische Bar zu verstehen, an die sie praktisch ein Andenken sind.
Titelbild | Bullaugen