Als der Kalte Krieg nach dem Zweiten Weltkrieg begann, gab es Bedenken hinsichtlich der Möglichkeit, dass feindliche US-Spione biologische Waffen auf amerikanische Städte abfeuern könnten. Im Camp Detrick wurde 1949 eine Sondereinsatzabteilung eingerichtet, um die potenzielle Verwüstung zu testen, die ein solcher Vorfall verursachen würde. Dabei wurden Bereiche verschiedenen Arten von Bakterien und Chemikalien ausgesetzt. Das erste Ziel war das Pentagon, doch bald wurden die Testeinsätze auch auf Städte ausgeweitet. Eine dieser Operationen war die Operation Sea-Spray an der Küste von San Francisco, bei der Bakterien in die Luft der Stadt gesprüht wurden, ohne die Bewohner zu benachrichtigen.
Die Operation Sea-Spray wurde zwischen dem 20. und 27. September 1950 durchgeführt und beinhaltete, dass ein Schiff der US-Marine Bacillus globigii und Serratia marcescens in den Nebel von San Francisco sprühte, der als großartige Deckung diente. Rund um das Gebiet hielten 43 Monitore Kegel hoch, um das herabsinkende Aerosol aufzufangen. Dadurch konnten die Forscher feststellen, dass der Sprühnebel mit dem Wind bis zu 23 Meilen weit gereist war. Während der Test wertvolle Daten darüber lieferte, wie sich biologische Waffen wie Anthrax und Botulismus auf amerikanische Städte auswirken könnten, litten einige der ahnungslosen Bewohner darunter.
Die Folgen der Operation Sea-Spray
Da die über San Francisco versprühten B. globigii (eine Art sporenbildender Bakterien) und S. marcescens vom Wind verbreitet wurden, waren Hunderttausende Menschen dem Virus ausgesetzt, darunter auch einige im alten Stanford University Hospital. Die Ärzte waren verblüfft, als elf ihrer Patienten mit S. marcescens infiziert wurden, ein Ausbruch, den sie noch nie zuvor erlebt hatten. Während B. globigii harmlos ist, kommt S. marcescens häufig in Abwässern, Böden und Wasser vor, ist jedoch besonders schädlich für immungeschwächte Personen, beispielsweise im Krankenhaus. Einer dieser Patienten war der 75-jährige Edward Nevin, der nur drei Wochen nach der Operation Sea-Spray starb, weil die Bakterien eine Harnwegsinfektion verursachten, sich in seinen Arterien ansammelten und sich auf sein Herz ausbreiteten.
Das Open-Air-Testprogramm für biologische Waffen der US-Regierung umfasste mindestens 239 Tests, sieben davon betrafen S. marcescens. Bei einem dieser zwielichtigen Regierungsexperimente der 50er Jahre, die die Vereinigten Staaten für immer veränderten, ging es um Zink-Cadmiumsulfid, ein fluoreszierendes Material, das sich ebenfalls als giftig herausstellte. Obwohl Präsident Richard Nixon das Programm 1969 beendete, tauchten Informationen darüber erst Jahre später auf. Darüber hinaus gehen einige Wissenschaftler davon aus, dass die besprühten S. marcescens möglicherweise dort geblieben sind und dass die Nachkommen die mikrobielle Ökologie der Region nachhaltig verändert haben. Es ist auch möglich, dass es 2001 zu einem Apotheken-Ausbruch kam, der zu zehn Krankenhauseinweisungen und drei Todesfällen führte.