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Sechzig-Erlösung gegen Zwickau: Ein Sieg für Köllner

Sechzigs Trainer darf vorerst weiter an den Plänen zur Zweitliga-Rückkehr feilen, eine überzeugende Leistung gegen Zwickau verschafft ihm Zeit. Danach bekundet auch er: "Es war Druck auf dem Kessel"


Die Löwen bleiben im Schneegestöber cool und verlängern mit dem Erfolg im ersten Heimspiel 2023 die Amtszeit ihres Coaches.

Die Löwen bleiben im Schneegestöber cool und verlängern mit dem Erfolg im ersten Heimspiel 2023 die Amtszeit ihres Coaches.

Von Ruben Stark

Der Tag begann für Michael Köllner nicht unbedingt, wie man sich das wünscht, wenn entscheidende Stunden vor einem liegen. "Ich habe mich einmal hingesetzt beim Socken anziehen, dann war Feierabend", berichtete der Trainer des TSV 1860. Doch damit nicht genug: "Dann war ich einmal auf der Toilette, da war es wieder soweit."

Nicht etwa der Kreislauf, sein malader Rücken bereitete dem 53-Jährigen ziemliche Probleme. Vielleicht hatte auch der Stress der letzten Woche seinen Anteil. Zweimal sorgten noch die Physios des Sechzger für umgehende Linderung, dann verordneten sie dem Coach ein striktes Sitzverbot. Also stand Köllner die ganze Zeit - auch bei der Pressekonferenz.

Der Löwen-Dompteur ertrug dieses vergleichsweise kleine Leiden letztlich schmunzelnd, war es doch kein schlechtes Omen für das zum Trainer-Endspiel erhobene Heimspiel gegen den FSV Zwickau. Nein, Sechzig siegte im Giesinger Schneegestöber beim verdienten 3:1 für Köllner, wenn man so will.

"Wir haben richtig gute Jungs, die sind vom Herzen her absolut rein", stimmte der Coach mit viel Pathos eine Hymne an auf sein Team: "Am Ende wusste ich, die Mannschaft wird alles geben, wird sich zerreißen - und dann hat auch die Symbiose mit den Fans super funktioniert."

Ein schneegetränktes Meer voller Harmonie war also das Grünwalder Stadion aus Köllners Sicht an diesem Samstag. Zumindest gab er zu: "Es war viel Druck im Kessel." Das hatte vor dem Spiel auch Sportchef Günther Gorenzel noch einmal durchblicken lassen - auch wenn er es eher etwas kryptisch umschrieb. "Wenn du nur einen Punkt aus fünf Spielen holst", sagte er am Mikrofon von Magentasport, "dann musst du die Dinge Spieltag für Spieltag bewerten und eng begleiten." Gewisse Muster hätten sich schon vor der Winterpause gezeigt.

Es ist demnach davon auszugehen, dass sich mit einem Sieg nicht alle Diskussionen in Wohlgefallen auflösen, dazu wird mindestens ein ähnlich überzeugender Auftritt in einer Woche gegen Dynamo Dresden nötig sein. Andernfalls entbrennt die Trainerdebatte von Neuem, dazu muss man kein Prophet sein.

Erstmal nehmen die Löwen aus Köllners Perspektive "eine furiose erste Halbzeit, von der Intensität, aber auch von der Spielfreude her" mit in die nächsten Tage. Und außerdem 33 Punkte mit zehn Siegen aus 19 Spielen nach dem formalen Ende der Hinrunde.

"Wir liegen gut in der Position und können weiter attackieren und Saarbrücken näher und näher kommen", resümierte der Coach - und Torschütze Martin Kobylanski unterstrich: "Wenn wir 33 Punkte in der Rückrunde holen, wird es gut aussehen. Wichtig ist, dass wir immer einen klaren und kühlen Kopf bewahren."

Um aber etwas Wasser in den vollmundig schmeckenden Wein zu gießen: Vor zwei Jahren haben 66 Zähler nicht genügt, da wurde Sechzig mit ebendieser Punktzahl lediglich Vierter. Insofern schadet es bestimmt nicht, dass Raphael Holzhauser, der wie Kobylanski angeschlagen ausgewechselt wurde, die Dinge nach seinem Heimdebüt mit Premierentor auch kritisch betrachtete, der Zwickau-Erfolg bestenfalls ein Anfang ist.

"Wenn die Mannschaft Vertrauen hat, dann kann sie auch richtig gut Fußball spielen", sagte der Österreicher, bevor er anmerkte: "Es ist noch längst nicht alles gut, wir haben noch viele Sachen, wo wir uns verbessern müssen."