Alter Schatz

Der Straubinger Kalender erscheint mittlerweile im 428. Jahrgang

Er ist eines der ältesten Druckwerke in diesem Land - und vereint auf seinen Seiten viele Informationen. Als Kalender hat er mit am längsten aller Kalender in Deutschland durchgehalten. Das macht ihn so besonders.


Notizen eines Landwirts im "Straubinger Kalender" 1925

Notizen eines Landwirts im "Straubinger Kalender" 1925

Von Dr. Dorit-Maria Krenn

Als der Landshuter Buchdrucker Clemens Attenkofer 1860 die Lerno'sche Druckerei in Straubing erwarb, bekam er auch das Recht zur Herausgabe des "Straubinger Kalenders". Bis heute erscheint der Kalender bei der Cl. Attenkofer'sche Kunst- und Buchdruckerei - und zwar 2024 im 428. Jahrgang. Seine Anfänge gehen in das Jahr 1597 zurück. Der "Straubinger Kalender" nennt sich daher stolz "ältester Heimatkalender Deutschlands", das heißt nicht, dass er der erste deutsche Kalender überhaupt gewesen ist, sondern dass er als einziger Kalender so lange durchgehalten hat.

Neben der Bibel gehören Kalender zu den ersten Drucken seit der Erfindung des Buchdruckes im 15. Jahrhundert. Diese "Kalender" waren nicht nur Zeitweiser, sondern auch Lesestoff und Notizheft. Oft bildeten sie in den Häusern der "kleinen Leute", der Kleinbürger-, Handwerker- und Dienstbotenschichten, neben der Bibel und dem Gebetbuch das einzige Druckwerk. Denn sie waren preiswert und leicht zu erwerben, nicht nur bei Buchhändlern, sondern auch bei Krämern, auf den Jahrmärkten und bei Hausierern.

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Monatsseite im Straubinger Kalender 1765 (Gäubodenmuseum Straubing)

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Titelblatt des "Straubinger Kalenders" 1862 (Gäubodenmuseum Straubing)

Die Kalender enthielten das Kalendarium, das aus den zwölf Monatsblättern bestand. Dazu kamen Bauernregeln und Wettervorhersagen, Sterndeutungen, Hinweise auf Mond- und Sonnenfinsternisse, Horoskope und ähnliches. Nicht fehlen durften die Informationen für den Alltag: Markttermine, Fahrtzeiten der Boten und später der Eisenbahn, Getreidepreise, Münzwährungen, Maße und Gewichte, Trächtigkeitszeiten der Nutztiere. Im Kalendarium gab es auch Platz für eigene Eintragungen. Man notierte, wann die Kuh gekalbt hatte oder ein Kind geboren wurde, was man beim Getreideverkauf eingenommen hatte und wie das Wetter war. Die Kalender wurden so oft zu Wirtschafts- und Familienbüchern, zu "Tagebüchern der Bevölkerung". Anfang des 19. Jahrhunderts existierten in Kurbayern acht derartige Heftkalender, zwei in München und je einer in Landshut, Straubing, Burghausen, Ingolstadt, Stadtamhof und Amberg. Der "Straubinger Kalender" erreichte dabei eine Verbreitung von 25 000 bis 30 000 Stück jährlich. Nach der Übernahme durch die Cl. Attenkofer'sche Kunst- und Buchdruckerei füllte sich der Leseteil immer mehr mit volkstümlichen Erzählungen, mit Gedichten und Rätseln, mit Ratschlägen für Gesundheit, Land- und Hauswirtschaft, mit Informationen zum Geschehen in Bayern und der Welt. Die Unterhaltung wurde immer wichtiger und umfangreicher, der Kalender zu einem billigen und beliebten Lesestoff. Den Inhalt stellte der "Kalendermacher" bzw. "Kalendermann" zusammen, meist ein Redakteur des "Straubinger Tagblatts". 1999 übernahm der Pädagoge und Schriftsteller Josef Fendl die Aufgabe, seit 2011 ist die Historikerin und Germanistin Dr. Dorit-Maria Krenn als "Kalenderfrau" verantwortlich.

Der "Straubinger Kalender" heute enthält neben dem Kalendarium einen Leseteil, bei dem sein Untertitel "Heimatkalender für Niederbayern und Oberpfalz" Programm ist: In Erzählungen, Geschichten, Abhandlungen und Gedichten, in Fotos und Zeichnungen wird auf inzwischen 290 Seiten die (ost)bayerische Heimat vorgestellt, kommen einheimische Schriftsteller, Volkskundler und Historiker zu Wort. Er bietet aber auch für "Laien", die sich mit ihrer Heimat, mit Erlebnissen, Erfahrungen und Erinnerungen auseinandersetzen, ein in Bayern einzigartiges Forum zur Veröffentlichung ihrer Werke. Oft wird als Ausdrucksform die Mundart gewählt. So trägt der "Straubinger Kalender" dazu bei, die bairische Sprache lebendig zu erhalten.

Der Straubinger Heimatkalender ist eine einzigartige Mischung "für Herz und Hirn", wie es eine Leserin ausdrückte. 2023 wurde er mit dem Bayerischen Heimatpreis ausgezeichnet - Ansporn für viele weitere Jahrgänge des Kalenders!

Der "Straubinger Kalender" 2024 ist bei den Geschäftsstellen der "Mediengruppe Attenkofer" und im Buchhandel für 5,60 Euro erhältlich. Bestellt kann er auch werden im Leserservice des "Straubinger Tagblatts", Telefon 09421/9406700, Email: leserservice@straubinger-tagblatt.de.


Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Beilage "175 Jahre Mediengruppe Attenkofer".