"Demokratischer Widerstand"

Zeitung führt LMU-Professor nicht mehr als Mitherausgeber


Die umstrittene Wochenzeitung "Demokratischer Widerstand" führt den bayerischen Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen nicht mehr als Mitherausgeber. Nach nur zwei Ausgaben taucht der Name des an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) lehrenden Wissenschaftlers im Impressum nicht mehr auf. Stattdessen ist nun der ehemalige Soziologieprofessor Rudolph Bauer aus Bremen unter den vier Herausgebern genannt. Seine Medien-Kolumne veröffentlicht Meyen in der Zeitung bisher allerdings weiter.

Zur Mitherausgeberschaft Meyens hatte sich im März unter anderem Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) mahnend geäußert. Meyens Kolleginnen und Kollegen vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IfKW) der LMU distanzierten sich ausdrücklich von den in der Zeitung veröffentlichten Positionen.

Die im März 2020 gegründete Wochenzeitung "Demokratischer Widerstand" mit Sitz in Berlin entstand im Umfeld der sogenannten Hygienedemos. Sie bietet radikalen Pandemie-Leugnern und Verschwörungsideologien eine Plattform. In den Artikeln und auf der Website ist unter anderem von einer "Fake-Pandemie" und einer "Corona-Diktatur" die Rede. Die Zeitung wird unter anderem von dem Publizisten und Dramaturgen Anselm Lenz herausgegeben, der ab März 2020 zu den "Hygienedemos" gegen Corona-Maßnahmen aufgerufen hatte.

Die LMU hat sich nach der Bekanntgabe von Meyens Mitherausgeberschaft an das zuständige Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) gewandt. Wann die Prüfung dort abgeschlossen sein könnte, konnte ein LfV-Sprecher zunächst nicht sagen. Auch eine LMU-Sprecherin sagte, man wisse nicht, wann das Verfahren abgeschlossen sein würde. Bis dahin müsse Meyen aber wie die anderen Professorinnen und Professoren an der Universität seinen Dienstaufgaben in Forschung und Lehre nachkommen. Meyen selbst reagierte zunächst nicht auf Anfragen der Deutschen Presse-Agentur.

In einem YouTube-Video der Zeitung vom 19. März war Meyens neue Mitherausgeberschaft bekannt gegeben worden. In der 128. Ausgabe der Zeitung vom 8. April ist Meyen aber nicht mehr als Herausgeber gelistet und Bauer wurde als neuer Mitherausgeber eingeführt. Über den personellen Wechsel hatten zuvor mehrere Medien berichtet.

Meyen ist seit 2002 Professor für Allgemeine und Systematische Kommunikationswissenschaft an der LMU. Zu seinen Schwerpunkten gehört Journalismus und Medienorganisation. Laut LMU haben der Hochschulpräsident wie auch Mitglieder der Sozialwissenschaftlichen Fakultät bereits in der Vergangenheit Gespräche mit Meyen zu dessen Aktivitäten geführt.