Bayern

Nach "Aktenzeichen XY": DNA-Spur im Mordfall Sonja Engelbrecht

120 Hinweise aus der Bevölkerung gehennach einer Sendung von "Aktenzeichen XY" bei der Polizei ein. Manche nennen sogar konkrete Namen von möglichen verdächtigen Personen.


Im Wald bei Kipfenberg, dem Fundort der Leiche, sichern Polizisten in der Umgebung der Felsspalte Spuren

Im Wald bei Kipfenberg, dem Fundort der Leiche, sichern Polizisten in der Umgebung der Felsspalte Spuren

Von Ralph Hub

München - Die markante blau-schwarzen Decke mit dem auffälligen Pflanzenmuster könnte die entscheidenden Hinweise bringen, um den Mörder von Sonja Engelbrecht nach 28 Jahren nun doch noch zu fassen.

"Tatsächlich haben wir heute vielleicht die letzte Möglichkeit, diesen Fall Sonja Engelbrecht zu klären", sagte Kriminalhauptkommissar Roland Baader am Mittwochabend an die Zuschauer der ZDF-Sendung gewandt. In einem 15-minütigen Zuspieler wurde nochmals das Verschwinden der damals 19-jährigen Schülerin aus München rekonstruiert. Deren sterbliche Überreste schließlich in einer abgelegenen Felsspalte in einem Waldstück bei Kipfenberg 2022 gefunden wurden.


Die Telefone im ZDF-Studio standen schon während der Sendung nicht mehr still. Zuschauer gaben noch am Abend 50 Hinweise. Andere meldeten sich auch noch gestern telefonisch direkt bei der Münchner Mordkommission. "Insgesamt sind es 120 Hinweise", sagte Polizeisprecher Sven Müller am Donnerstag, "denen jetzt akribisch nachgegangen wird."

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Sonja Engelbrecht verschwand in April 1995

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Die Überreste der Decke mit dem markanten Blumenmuster

Besonders viele Zuseher beschäftigte die blau-schwarzen Decke mit dem markanten Blumenmuster, deren Reste die Ermittler am Fundort der Leiche gefunden hatten. Sie wiesen nach ZDF-Angaben auf mögliche Hersteller und Vertriebswege solcher Decken hin.


Einige Anrufer nannten wohl auch die Namen von möglichen Tatverdächtigen. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mörder von Sonja Engelbrecht in der Nähe von Kipfenberg zumindest zeitweise gewohnt, gearbeitet oder dort Urlaub gemacht hat. "Er muss sich in dieser Gegend gut auskennen", sagte Stephan Beer, Chef der Mordkommission vor einigen Tagen.

Die Polizei glaubt, dass der Mörder nachdem er die nackte, tote 19-Jährige in den Felsspalt geworfen hat, später noch zweimal zum Versteck der Leiche zurückkehrte. Das wurde der AZ gestern bestätigt. Weitere Details wollte ein Sprecher aus ermittlungstechnischen Gründen nicht machen.


An der Decke aus Kunstfaser wurden im Labor auch DNA-Spuren sichergestellt. Ob darunter auch welche vom Täter sind, wollte Stephan Beer am Dienstag noch nicht bestätigen (AZ berichtetei). Während der ZDF-Sendung sagte Kriminalhauptkommissar Baader allerdings: "Ja, wir haben eine DNA-Spurenlage."

Der Mörder hat die Leiche von Sonja Engelbrecht in Müllsäcke und Plastikfolie eingewickelt, an beidem wurden Reste von Malerfarbe gefunden. Die Ermittler vermuten, dass der Täter als Handwerker arbeitet, oder vielleicht auch Heimwerker ist und renoviert hat. Als Sonja Engelbrecht im Frühjahr 1995 in München verschwand, fand die Baumesse Bauma statt. Möglicherweise eine Parallele zum Mord an einer Freiburger Studentin. Ein Fall, der im Januar in der ZDF-Sendung vorgestellt wurde. Auch sie wurde entführt, missbraucht und die Leiche anschließend in einem Wald gelegt. In Freiburg fand in den Tagen vor der Tat im Januar 1997 eine Industriemesse statt.