IT-Probleme

Bahn-Baupanne löst Lufthansa-Chaos aus

Böse Überraschung für Tausende Passagiere, Flugzeuge auf Umwegen - der größte deutsche Luftfahrtkonzern kämpft am Mittwoch mit großen Problemen. Die Ursache ist vergleichsweise klein.


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Ein Monitor macht auf den IT-Ausfall und die Folgen aufmerksam.

Ein Kabelschaden auf einer Frankfurter Baustelle hat am Mittwoch zu einem Chaos bei der Lufthansa geführt. Computersysteme fielen aus, und es gab Verspätungen und Ausfälle für Tausende Passagiere mit Verbindungen über das Drehkreuz Frankfurt. Dort fielen bis zum frühen Abend 242 von rund 1000 geplanten Flügen aus. Fluggäste wurden gebeten, auf die Bahn umzusteigen.

Am Nachmittag wurde der Flughafen nach rund dreistündiger Sperrung für Landungen wieder freigegeben. Zudem begann das Unternehmen, die Computersysteme wieder hochzufahren. "Wir werden die Auswirkungen noch den ganzen Tag spüren", erklärte ein Sprecher. Für den Donnerstag rechne man wieder mit einem weitgehend normalen Ablauf.

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Maschinen am Boden: Wegen der Computerprobleme ist eine noch unbekannte Zahl von Flügen verspätet oder ausgefallen.

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Chaos im Flugverkehr: Reisende stehen vor einem Informationsschalter am Frankfurter Flughafen Schlange.

Flugausfälle drohen bundesweit auch am Freitag: Die Gewerkschaft Verdi hat zu einem ganztägigen Warnstreik an den meisten großen Flughäfen in Deutschland aufgerufen. Hintergrund sind mehrere Tarifkonflikte.

Verdi hat an den Flughäfen München, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, Dortmund, Hannover und Bremen zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Der Flughafenverband ADV geht davon aus, dass der Warnstreik am Freitag im innerdeutschen und internationalen Flugverkehr zu gut 2340 Flugausfällen führt. Passagiere müssten sich auf erhebliche Beeinträchtigungen einstellen. "Über 295.000 Passagiere werden zum Spielball der Verdi-Streiktaktik", kritisierte der Verband.

Nach der Streikankündigung stellte der Frankfurter Flughafen für Freitag seinen regulären Passagierbetrieb ein. Dieser werde wegen des Warnstreiks von Verdi nicht möglich sein, sagte eine Sprecherin der Betreibergesellschaft Fraport. Neben Deutschlands größtem Airport kündigten auch München, Hamburg und Stuttgart an, am Freitag den regulären Flugbetrieb einzustellen. Verdi hatte an den Flughäfen München, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, Dortmund, Hannover und Bremen zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen.

Die Lufthansa-Probleme am Mittwoch wurden nach Unternehmensangaben durch Bauarbeiten an einer S-Bahn-Strecke in Frankfurt ausgelöst. Dabei wurden der Deutschen Telekom zufolge bereits am Dienstag vier Glasfaserkabel von einem Bagger durchtrennt.

Die Lufthansa-Probleme am Mittwoch wurden nach Unternehmensangaben durch Bauarbeiten an einer S-Bahn-Strecke in Frankfurt ausgelöst. Dabei wurden der Deutschen Telekom zufolge bereits am Dienstag vier Glasfaserkabel von einem Bagger durchtrennt.

Seit Mittwochmorgen waren in Frankfurt die Computersysteme der Lufthansa unter anderem für das Einsteigen nicht mehr betriebsbereit. Warum die Störung erst zeitversetzt eintrat, war zunächst offen. Laut Telekom wurden zwei betroffene Kabel über Nacht in Stand gesetzt.

In der Lufthansa-Zentrale am Frankfurter Flughafen kam ein Krisenstab zusammen. Die Flugsicherung sperrte Frankfurt für Landungen, damit das Drehkreuz nicht mit Maschinen volläuft. Flüge würden etwa nach Nürnberg, Köln oder Düsseldorf umgeleitet, sagte ein Sprecher der Flugsicherung. Kurz darauf sagte die Lufthansa ihre sämtlichen Starts in Frankfurt ab.

Man arbeite intensiv an einer Lösung, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Die IT-Probleme haben vor allem Auswirkungen auf Frankfurt. An den anderen Konzern-Drehkreuzen laufe der Betrieb weitgehend normal, erklärte die Sprecherin. So sei in Zürich nur ein Flug gestrichen worden, und zwar der nach Frankfurt. Es sei nicht richtig, dass weltweit alle Flüge abgesagt worden seien.

Für das zweite Lufthansa-Drehkreuz München gab es zunächst keine Sperrung. Von der Landesperre in Frankfurt waren auch internationale Flüge betroffen, so dass zahlreiche Umsteiger ihre Anschlüsse verpassten.

Wie viele Flüge betroffen sind, war am frühen Nachmittag offen. In München wie auch am Frankfurter Flughafen stauten sich Passagiere und Flugzeuge. Die Fluggäste wurden auch nicht per Strichliste in die bereitstehenden Maschinen gelassen, weil nach Angaben des Personals wichtige Informationen zum Abflug fehlten.

Nach Angaben der Bahn wurde an der Baustelle für die Frankfurter Linie S6 "durch ein beauftragtes Bauunternehmen gegen 19 Uhr ein Kabel in einem Kabelbündel der Telekom AG durchtrennt". Die Bahn bat die betroffenen Fluggäste für die Unannehmlichkeiten um Entschuldigung.

Zehntausende Flugpassagiere müssen sich auch am Freitag auf Ausfälle und Verspätungen gefasst machen. Die Gewerkschaft Verdi kündigte in der Nacht zu Mittwoch an, dann die Flughäfen in München, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, Dortmund, Hannover und Bremen ganztägig lahmlegen zu wollen - und weitet damit den Tarifstreit im öffentlichen Dienst auf Flughäfen aus. Die Beschäftigten der Betreibergesellschaften werden häufig nach den Tarifverträgen der Kommunen bezahlt.

Der Warnstreik soll am frühen Freitagmorgen beginnen und in der Nacht auf Samstag enden. Hilfslieferungen zu den Erdbebenopfern in die Türkei und nach Syrien sollen vom Streik ausgenommen sein.

Die Münchner Sicherheitskonferenz arbeitet daran, die Anreise der Konferenzteilnehmer gewährleisten zu können. "Hunderte Entscheidungsträger aus allen fünf Kontinenten haben ihre Teilnahme bereits bestätigt", sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Die Konferenz gilt als wichtigstes Politiker- und Expertentreffen zur Sicherheitspolitik weltweit und beginnt am Freitag.

Mit den nun fortgesetzten Warnstreiks wollen die Beschäftigten ihren Forderungen im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen Nachdruck verleihen. Neben dem öffentlichen Dienst gibt es örtliche Verhandlungen für die Bodenverkehrsdienste sowie eine bundesweite Tarifrunde für die Luftsicherheit.