Lidl verkauft nur noch faire Bananen

Auf die krumme Tour


Entwicklungsminister Gerd Müller auf der Grünen Woche.

Entwicklungsminister Gerd Müller auf der Grünen Woche.

Von AZ Redaktion

Der Discounter Lidl stellt komplett auf fair gehandelte Bananen um. Doch zieht die Konkurrenz nicht nach, wird's problematisch.

Neckarsulm - Rund elf Kilo Bananen verspeist jeder Bundesbürger im Schnitt pro Jahr. Doch so gut das Obst den Deutschen auch schmeckt, beim Kauf achten sie oft vor allem auf den Preis. Dabei warnen Umweltschutz- und Arbeiterrechtsorganisationen seit Jahren, dass billige Bananen Naur und Mensch teuer zu stehen kommen.

Nun wehrt sich der erste große Discounter gegen den harten Preiskampf und setzt auf fair gehandelte Bananen. Ob die Konkurrenz mitzieht, ist fraglich. Denn wie die Tafel Schokolade oder der Liter Milch gilt das Kilo Bananen im Handel als "preissensibles Produkt", bei dem die Verbraucher besonders genau die Kosten vergleichen. Und danach sogar ihre Entscheidung ausrichten, in welchem Supermarkt sie einkaufen.

So dienen Bananen zu besonders niedrigen Kilopreisen, teils unter 90 Cent, den Handelsketten oft als Lockangebote. Fair gehandelte Bio-Bananen gibt es in vielen Filialen zwar auch, aber viel teurer. In Großbritannien dagegen haben alle Supermärkte schon vor zehn Jahren auf "faire Bananen" umgestellt. In der Schweiz ist über die Hälfte der Bananen zertifiziert. Deutschland ist davon noch weit entfernt: Nur etwa zwölf Prozent der Bananen tragen hier ein Bio- oder Fairtrade-Siegel.

Mit Billig-Bananen werden Verbraucher in die Märkte gelockt

So sorgte es in der Branche für großes Aufsehen, als der Discounter Lidl Ende 2018 damit begann, sein Sortiment komplett auf Bananen mit dem Fairtrade-Zeichen umzustellen. Das internatonal anerkannte Siegel, in Deutschland von der Initiative Transfair vergeben, garantiert die Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards im Anbau. Kleinbauern erhalten stabile Mindestpreise und eine Prämie, so dass sie weniger von schwankenden Weltmarktpreisen abhängig sind.

Schrittweise will Lidl in all seinen 3.200 deutschen Filialen nur noch Früchte anbieten, die die Kriterien der Organisation erfüllen. Im Januar waren schon 700 Märkte umgestellt. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) begrüßt die Entscheidung: "Dass ausgerechnet ein Discounter zum Vorreiter wird, mag vielleicht einige überraschen. Es zeigt aber, dass ein Umdenken stattfindet."

Doch noch steht Lidl damit unter den großen Handelsketten allein auf weiter Flur. Bananenproduzenten aus Ecuador protestierten kürzlich sogar in einem Brief, dass deutsche Discounter planten, die Einkaufspreise von 0,42 US-Dollar pro Kilo nochmals auf 0,38 zu drücken. Ein solcher Preisdruck habe "fatale Folgen für die Produzenten in allen Exportländern".

Gerd Müller: "Faire Preise für Bananen sollten Standard werden."

Seit langem weisen Menschenrechtler und Umweltschützer auf die Schattenseiten des Bananenmarkts hin: Bei den von den Handelsketten immer weiter nach unten gedrückten gezahlten Preisen kann kaum ein Produzent überleben. Selbstständige Kleinbauern müssen aufgeben, werden zu Tagelöhnern, die zu schlechten Konditionen für Großproduzenten arbeiten. Arbeiterrechte sind in den Anbauländern oft eingeschränkt.

Zudem wird immer wieder von Fällen von Kinderarbeit berichtet. Steigt der Preisdruck, steigt oft auch der Einsatz von Chemikalien zur Steigerung der Produktivität - zum Schaden von Mensch und Umwelt. Mit seinem Schritt, komplett auf fair gehandelte Bananen umzustellen, bekennt sich Lidl nach eigenen Angaben "zu einer langfristigen Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Anbauländern".

Doch in Branchenkreisen heißt es, dass es für Lidl zum Problem werden könnte, wenn die Konkurrenz dauerhaft mit Billigbananen lockt. Dazu Entwicklungsminister Müller: "Jetzt muss der gesamte Einzelhandel nachziehen. Hungerlöhne und Kinderarbeit müssen der Vergangenheit angehören. Faire Preise für Bananen sollten Standard werden."