Überblick

Fülle und der Wolf: Die zwei großen Gewinner im DFB-Team

Die deutsche Nationalmannschaft leitet mit dem 2:0 über Peru den Neuanfang nach der WM-Blamage ein. Dabei kristallisieren sich zwei große Gewinner heraus: Niclas Füllkrug und Ex-Löwe Marius Wolf.


Füllkrugs erster Streich: Der Mittelstürmer (r.) von Werder Bremen trift in der 12. Minute des Länderspiels gegen Peru, dem ersten Auftritt der deutschen Mannschaft nach dem blamablen WM-Aus zum 1:0.

Füllkrugs erster Streich: Der Mittelstürmer (r.) von Werder Bremen trift in der 12. Minute des Länderspiels gegen Peru, dem ersten Auftritt der deutschen Mannschaft nach dem blamablen WM-Aus zum 1:0.

Von Patrick Strasser

Mainz - Man wollte eine ganz bewusste Geste setzen beim DFB, doch der für Montag angekündigte Generalstreik in Deutschland hat auch die Pläne des Nationalmannschaftstrosses durcheinandergebracht.

Am Montag sollte es nach dem Abschlusstraining auf dem Campus in Frankfurt mit dem Zug nach Köln gehen - abgesagt. Nun reist das DFB-Team mit dem Bus in die Domstadt zum zweiten Test-Länderspiel des Jahres am Dienstag (20.45 Uhr, RTL live) gegen Belgien.

Wenigstens stimmt der Weg der Mannschaft, das hat der erste Auftritt seit dem Fiasko von Katar gezeigt. Der ungefährdete 2:0-Erfolg gegen Peru in Mainz bedeutete einen ordentlichen Neubeginn zum Start ins Vor-EM-Jahr nach dem blamablen Aus in der WM-Vorrunde vor knapp vier Monaten.

Das Resultat war nicht unbedeutend für Bundestrainer Hansi Flick, eine Niederlage hätte wieder Fragen und Diskussionen aufgeworfen. Das 4-2-2-2-System mit Viererkette, zwei Sechsern und zwei freischaffenden Offensiven und einer Doppelspitze offenbarte gute Ansätze, ein Anfang auf dem langen Weg zur Versöhnung mit dem eigenen Anhang ist gemacht.

"Dieser Test war sehr erkenntnisreich", freute sich Flick und betonte: "Es tut gut, dass wir 2:0 gewonnen haben. Die Mannschaft war über 90 Minuten griffig und hat viel Leidenschaft und Dynamik gezeigt. Das waren Dinge, die wir sehen wollten."

Während Timo Werner, der bei der WM verletzt fehlte, im DFB-Dress erneut unglücklich agierte, nutzte Niclas Füllkrug seinen ersten Einsatz im DFB-Trikot von Beginn an erneut für Werbung in eigener Sache. Der Bremer Mittelstürmer erzielte beide Treffer in Mittelstürmer-Manier. Die Quote des Spätberufenen mit seinen 30 Jahren ist beachtlich: Fünf Länderspiele, fünf Treffer.

"Ich werde hier sehr gut in Szene gesetzt, dann kann ich auch den ein oder anderen machen", meinte Füllkrug bescheiden. "Er hat die Treffer im Stile eines Torjägers, einer Neun gemacht", lobte Flick, mahnte lediglich einige Ballverluste seiner Entdeckung des Herbstes an.

"Fülle" ist nun gesetzt im Sturmzentrum. "Wir benötigen eine gewisse Stabilität und Spieler, die wissen, dass sie spielen", erklärte der Bundestrainer, der am Dienstag gegen die Belgier auf den gegen Peru in der zweiten Halbzeit agilen Serge Gnabry anstelle von Werner setzen könnte.

Wer gehörte beim "Umbruch light" mit nur zwei verbliebenen Profis aus der Startelf des 4:2 gegen Costa Rica bei der WM (Joshua Kimmich, David Raum) und mit drei Debütanten noch zu den Gewinnern? Zwei Neulinge, Angreifer Mergim Berisha (FC Augsburg) und Außenstürmer Kevin Schade (FC Brentford), konnten sich in der letzten Viertelstunde kaum noch in Szene setzen, da sowohl die Qualität und als auch die Intensität des deutschen Spiels nach den vielen Auswechslungen abgenommen hatten.

Dagegen hat Marius Wolf von Borussia Dortmund, mit 27 Jahren auch ein Spätzünder im DFB-Team, gute Aussichten, sich mit einem mutigen Auftritt auf der Rechtsverteidiger-Position erst einmal festgespielt zu haben. "Jeder hat gesehen, dass Marius sehr viel Dynamik auf seiner Seite entfacht hat", sagte Flick über Wolf und pries das zweite Tor als "hervorragend rausgespielt. Er hat seine Sache sehr gut gemacht."

2012 wechselte der gebürtige Coburger aus der Jugend des 1. FC Nürnberg zum TSV 1860, wurde Profi, blieb bis Januar 2016. Ein Ex-Löwe also, dieser bissige Wolf.

Und ein schräger Typ mit seinem blonden Zopf, dem Schnauzbart sowie den zahlreichen Tattoos. Erst Ende vergangenen Jahres hatte er eine Herz-Operation ("da wird dir erst einmal mulmig und komisch") über sich ergehen lassen müssen, nachdem bei im Vorhofflimmern diagnostiziert worden war. Dank seiner Gier und Aggressivität sei er "ein offensiver Außenverteidiger, wie wir ihn sehen wollen", meinte Bayern-Star Leon Goretzka.

Die bei der WM eingesetzten Rechtsverteidiger Niklas Süle (diesmal nicht nominiert), Lukas Klostermann (ebenfalls) und Joshua Kimmich (als Sechser im Mittelfeld endgültig gesetzt) gehören der Vergangenheit an.

"Stolz und glücklich" fotografierte Debütant Wolf sein Trikot mit der Nummer 17 auf dem Bügel in der Kabine und freute sich über "ein sehr gutes Erlebnis. Ich genieße es, mit den Jungs zu kicken, es macht Riesenspaß."