2;0 gegen Hertha

Bayerns Meisterparty wurde vertagt


Arturo Vidal freut sich über seinen Treffer gegen die Hertha.

Arturo Vidal freut sich über seinen Treffer gegen die Hertha.

Es lief nicht gerade rund bei den Bayern. Doch sie sicherten die sieben Punkte Vorsprung auf Verfolger Dortmund - und könnten nun im eigenen Stadion die historische Meisterschaft feiern. Hertha hat die Europa League so gut wie sicher, will aber mehr.

Der vertagten Meister-Party trauerte niemand aus dem Starensemble des FC Bayern hinterher. "Im Moment haben wir alles in unserer Hand, wir brauchen noch einen Sieg oder zwei Unentschieden. Ich hoffe auf ein gutes Spiel gegen Mönchengladbach, um noch einmal deutscher Meister zu werden", sagte Münchens bald scheidender Trainer Pep Guardiola nach einem glanzlosen 2:0 (0:0) bei Hertha BSC.

Angesichts von weiter sieben Punkten Vorsprung auf die starken Dortmunder kann der nationale Rekordchampion am kommenden Samstag den historischen vierten Titel nacheinander, den 26. insgesamt, perfekt machen. Auch deshalb schaute Starcoach Guardiola über die überraschend vielen Unzulänglichkeiten in einem stark veränderten Team kritiklos hinweg. "Es ist schwierig in dieser Periode mit drei Wettbewerben und sieben Punkten Vorsprung. Manchmal ist es schwer, 100 Prozent zu geben", sagte der Katalane.

Zu Hause Meister werden

"Ich verstehe die Spieler mit Blick auf den Mittwoch", ergänzte Guardiola: "Deshalb bin ich sehr zufrieden." Ab sofort gilt die ganze Konzentration dem Halbfinal-Hinspiel in der Champions League bei Atlético Madrid. "Es war ein Riesenschritt. Wichtig war, dass wir die drei Punkte geholt haben", sagte Weltmeister Mario Götze und hakte den Auftritt vor 76.233 Fans im ausverkauften Olympiastadion damit ab: "Vielleicht ist es nicht so schlecht, zu Hause deutscher Meister zu werden."

Am 31. Spieltag sorgten Arturo Vidal mit Glück (47. Minute) und Douglas Costa (79.) mit einem wunderschönen Distanzschuss ins lange Eck für den 26. Saisonsieg in 31 Bundesliga-Spielen. Der Sieg des BVB in Stuttgart verhinderte die vierte Meisterfeier der Münchner nach einem Erfolg über Hertha.

Die Berliner bleiben mit 49 Punkten zwar Vierter, doch Mainz, Gladbach können am Sonntag bis auf einen Zähler heranrücken. Zumindest der Europa-League-Start ist ihnen aber nur noch theoretisch zu nehmen. "Jetzt gilt es, noch mal alles zu mobilisieren, um das gemeinsam auch gut zu Ende zu bringen", sagte Verteidiger Sebastian Langkamp. Die Hertha-Fans honorierten die bisherige Saison-Leistung ihrer Mannschaft und feierten sie trotz der zehnten Niederlage.

Hertha fehlte das "nötige Spielglück"

Die von Trainer Pal Dardai mit gleich sechs Neuen zusammengestellte Hertha zeigte gegen die Bayern wesentlich mehr Mut und Offensivdrang als drei Tage zuvor im Pokal-Halbfinale gegen Dortmund. Mit dem Ex-Münchner Mitchell Weiser als Spielmacher und Talent Maximilian Mittelstädt mit dem ersten Ligaspiel von Beginn an, dafür zunächst ohne ihren Top-Torjäger Kalou, attackierten die Berliner immer wieder das Münchner Tor. "Es fehlte uns nur das nötige Spielglück", bemerkte Hertha-Manager Michael Preetz.

Mit Blick auf das erste Königsklassen-Halbfinale in Madrid hatte Guardiola nicht nur seinen Kapitän Philipp Lahm gleich zu Hause gelassen. Andere Stammkräfte ließ er auf der Bank. Die gleich sieben Veränderungen in der Startelf gegenüber dem 2:0 im Pokal gegen Bremen - unter anderen kam Serdar Tasci zu seinem zweiten Liga-Einsatz für die Bayern - sorgten für ein ungewohnt zähes Spiel der Gäste. "Wir haben die Drangphase der Berliner überlebt", sagte Tasci.

Nach 22 Minuten war Thomas Kraft, für den verletzten Rune Jarstein wieder ins Berliner Tor gerückt, gegen Thiago zur Stelle. Bei einigen Rückpässen wurde allerdings deutlich, dass der Ex-Münchner seit seiner Schulterverletzung im September des Vorjahres nicht mehr gespielt hatte. Nach der Pause reichte dem designierten Meister eine Aktion, um den zwölften Auswärtssieg zu sichern. Nach Pass von Götze zog der zuletzt wegen seiner Schwalbe gegen Werder gescholtene Vidal aus rund 20 Metern ab. Der Ball wurde von Niklas Stark unhaltbar für Kraft abgefälscht. Offensivmann Costa ließ Kraft schließlich elf Minuten vor dem Ende mit einem Knaller keine Chance.