Straubinger Gymnasiastin

Carla Kim: Vizemeisterin in Rhythmischer Sportgymnastik


In der elegantesten aller Sportarten daheim: Carla Kim (hintere Reihe, 3. von links) ist deutsche Juniorenvizemeisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik.

In der elegantesten aller Sportarten daheim: Carla Kim (hintere Reihe, 3. von links) ist deutsche Juniorenvizemeisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik.

Von Gerd Lex

Die Straubinger Gymnasiastin Carla Kim ist deutsche Juniorenvizemeisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik.

Reifen und Keulen fliegen hoch in die Luft und landen punktgenau und zielsicher dort, wo sie landen sollen. Bänder zwirbeln über den Boden, bewegen sich elastisch wie Schlangen, bilden in rasantem Tempo kunstvolle Formen, die sich genauso schnell wieder verlieren. Federleicht, elegant und grazil bewegen sich die Rhythmischen Sportgymnastinnen, als ob die Schwerkraft außer Kraft gesetzt würde und an Stelle ihrer Sehnen und Bänder Gummi wäre.

Und doch halten die Gymnastinnen während der gesamten Übung Spannung und Körperbeherrschung bis in die Fußspitzen. Eine dieser grazilen Sportlerinnen ist die 15-jährige Carla Kim aus Straubing, die am 18. Mai in einem sensationellen Wettkampf den zweiten Platz beim Deutschlandcup der Junioren in Dahn (Rheinland-Pfalz) erringen konnte.

"Das war unglaublich toll, der Wettkampf verlief super für mich, da ich in allen drei Übungen sämtliche Würfe gefangen hatte. Ich hatte schon während des Wettkampfes ein gutes Gefühl, trotzdem hätte ich es nie für möglich gehalten, dass ich am Ende auf dem Siegertreppchen stehe und deutsche Vizemeisterin werde", berichtet die sympathische Sportlerin. Dieses herausragende Ergebnis bedeutet gleichzeitig die Qualifikation für die Süddeutschen Meisterschaften und für den Deutschland-Cup.

Das Band als Lieblingsdisziplin

Im ersten Durchgang zeigten die Gymnastinnen ihre Reifenübung. Darauf folgten die Kür mit den Keulen und dann das schwierigste Handgerät, das Band, die eigentliche Lieblingsdisziplin der Athletin. Körperspannung bis in die Zehenspitzen ist eine wichtige Voraussetzung für eine gute Wertung der Kampfrichter.

Die 13 mal 13 Meter große Turnfläche bietet reichlich Platz für ausgefeilte Choreographien. Entscheidend für eine gute Bewertung ist unter anderem, dass die Athletinnen zwischen Teilen in der Luft und gymnastischen Elementen am Boden abwechseln. Die Kampfrichter achten aber nicht nur darauf, dass die einzelnen Schwierigkeiten technisch fehlerfrei geturnt werden, sondern sie vergeben auch Punkte für die künstlerische Leistung. Dazu zählen die Übereinstimmung zwischen Musik und Choreographie und die Ausdrucksstärke der Gymnastin.

Wer in der rhythmischen Sportgymnastik ganz vorne mitturnen will, der braucht neben großer Beweglichkeit vor allem Grazie. Die Rhythmische Sportgymnastik ist eine Sportart, die hart ist, aber leicht aussehen soll. Die Kampfrichter bewerten Akrobatik, Ausführung und die Schwierigkeit der Übungen. Je mehr und je schneller sich der Reifen oder das Band bewegt, desto besser. Wird das Handgerät eben nicht mit der Hand, sondern zwischen den Beinen, Po, Rücken, Hals und Schenkeln gefangen, gibt es extra Punkte. Wird das Gerät nicht gefangen und muss gar außerhalb der Turnfläche eingesammelt werden, ist der Sieg, so viel steht fest, verloren. Davon war Carla, die in ihrer Sportart eigentlich ein Späteinsteiger ist, in diesem Wettkampf weit entfernt.

Ohne Eltern läuft im Leistungssport nichts

"Ich habe erst mit achteinhalb Jahren angefangen, damit bin ich eigentlich ein Spätstarter, da die meisten Mädchen schon im Kindergartenalter beginnen", erzählt die junge Sportlerin von ihren Anfängen. Für ihren Sport nimmt die Gymnasiastin einiges in Kauf. "Ich trainiere während der Schulzeit dreimal die Woche drei bis vier Stunden, in den Ferien erhöht sich mein Pensum auf fünf Trainingstage und fünf Stunden täglich."

Ohne die Unterstützung ihrer Eltern wäre es für Carla unmöglich gewesen, diesen sportlichen Weg zu gehen, das ist beim Volkssport Fußball nicht anders, wie in der Rhythmischen Sportgymnastik. "Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich regelmäßig zum Training nach Obertraubling fahren. Meine Mutter begleitet mich zu allen Wettkämpfen und feuert meine Freundinnen und mich immer an, weswegen der Sport ohne sie für mich gar nicht funktionieren würde", erkennt Carla realistisch und dankbar.

Neben ihren Eltern hat Carla das große Glück eine fachlich kompetente Trainerin an ihrer Seite zu haben, die durch ihre menschliche Art eine intensive Bindung zu den Athletinnen aufgebaut hat. "Ich mag meine Trainerin Simone Schmidtler sehr, denn sie will zwar, dass wir gut sind, trotzdem geht es bei uns nicht nur um die Leistung, sie achtet auch darauf, dass es uns gut geht, wenn jemand verletzt ist." Als Leistungssportlerin in einer Sportart, die in der Öffentlichkeit relativ wenig Beachtung findet, gilt Carlas Augenmerk vernünftigerweise auch der schulischen Bildung. "Ich bekomme die Doppelbelastung Schule-Sport gut hin. Nur manchmal ist es ein bisschen stressig, wenn ich am Sonntag von einem Wettkampf heimkomme und am Montag eine Schulaufgabe schreibe."

Die eleganteste Sportart von allen

Der sensationelle Erfolg bei der Deutschen Meisterschaft ist das Ergebnis harter Arbeit und es stellt sich natürlich die Frage, wo der weitere Weg hinführt. Die junge Sportlerin hat die Bodenhaftung und den Blick für das Machbare nicht verloren. Ihren Erfolg in sämtlichen sozialen Netzwerken selbstgefällig zur Schau zu stellen ist absolut nicht das "Ding" der sympathischen Athletin. "Sportlich glaube ich nicht, das toppen zu können, obwohl eine Goldmedaille natürlich trotzdem cool wäre. Ich denke, dass ich aufgrund des zweiten Platzes bei den Deutschen Meisterschaften jetzt mit größerem Selbstbewusstsein in die nächsten Wettkämpfe gehen werde." Auch beruflich hat die zielstrebige junge Dame schon konkrete Vorstellungen. "Nach der Schule würde ich gerne Medizin studieren und Unfallchirurgin werden."

Doch vorher will die Sportlerin aus Straubing noch dazu beitragen, dass dieser faszinierende Sport die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient. Vor allem im Vergleich zu Fußball und anderen Mannschaftssportarten bleibt diese so traditionsreiche Sparte auf der Strecke. Wenn man sich allerdings die Mühe macht und sich mit dieser Sportart ein wenig intensiver beschäftigt, stellt man fasziniert fest, dass die Rhythmische Sportgymnastik die wohl eleganteste aller Sportarten ist.

Es ist eine Sportart, die unheimlich viele verschiedene Aspekte kombiniert und daher sehr ausgewogen ist, was die Persönlichkeitsentwicklung, aber auch die körperliche Entwicklung betrifft. Man braucht Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Koordination und zusätzlich Rhythmusgefühl, Musikalität, Ausdruck und Kreativität. Diese vielfältige koordinative Grundschulung von rechts-links, Hand-Auge, Hand-Fuß ist schon fast einmalig, wenn man das mit anderen Sportarten vergleicht.