Zum Kinostart von "Grießnockerlaffäre"

Sebastian Bezzel über Niederbayern, Landshuter Eishockey und Straubinger Bier


Wenn der Tag schon so anfängt: Der verkaterte Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) und sein Hund Ludwig werden unsanft vom SEK geweckt. So beginnt in "Grießnockerlaffäre" das Schlamassel.

Wenn der Tag schon so anfängt: Der verkaterte Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) und sein Hund Ludwig werden unsanft vom SEK geweckt. So beginnt in "Grießnockerlaffäre" das Schlamassel.

Von Matthias Jell und Redaktion idowa

Endlich wieder Eberhofer-Zeit! Rita Falks niederbayerischer Kult-Ermittler lässt die Herzen seiner Fans binnen weniger Tage gleich zwei Mal höher schlagen: Am Mittwoch, 26. Juli 2017, zeigt die ARD um 20.15 Uhr die TV-Premiere von "Schweinskopf al dente". Eine Woche später, am 3. August, steht dann der Kinostart des brandneuen Eberhofer-Krimis "Grießnockerlaffäre" auf dem Programm. Idowa.de hat deshalb schon einmal vorab ein Interview mit dem Mann geführt, der dem fiktiven Franz Eberhofer seit der Verfilmung von "Dampfnudelblues" ein Gesicht gibt: Sebastian Bezzel.

Herr Bezzel, würden Sie sagen, Ihre öffentliche Wahrnehmung als Schauspieler hat sich seit der Rolle des Franz Eberhofer verändert?

Sebastian Bezzel: In Bayern auf jeden Fall. Das ist sicher so die Rolle, der ich ein Gesicht gebe und die erfolgreicher ist, als andere. Das liegt natürlich auch an diesem Kult, der um diese Reihe entstanden ist. Ich habe schon gemerkt, dass das bei mir so schrittweise vorangegangen ist. Erst kam "Abschnitt 40", dann der "Tatort" und jetzt halt der Eberhofer.

Was hat Sie damals besonders an der Rolle des Franz Eberhofer gereizt?

Bezzel: Der Franz scheißt sich einfach nix. Er hat so eine gewisse Grundlässigkeit. Seine Ermittlungen sind ja meist komplett illegal, weil er gar nicht die Befugnis dafür hat. Diese "political incorrectness" mag ich. Was mir aber am besten gefallen hat, sind diese ganzen Typen, die um den Franz herumschwirren. Alle nerven ihn irgendwie und trotzdem kann er nicht ohne. Egal, ob das jetzt die Susi, die Oma, der Flötzinger, der Vater oder der Rudi ist. Der Franz ist zwar immer irgendwie im Mittelpunkt, aber trotzdem ist es eine Ensemble-Geschichte.

Gibt es rein charakterlich Parallelen zwischen der fiktiven Person des Franz Eberhofer und der Privatperson Sebastian Bezzel?

Bezzel: Ja, natürlich, ein bisschen schon, aber im Grunde unterscheiden wir uns schon sehr stark. Klar, ich neige auch hin und wieder zum Grant und bin ein typischer Genießer, der gerne gut isst und auch gerne mal ein paar Bier mit Freunden trinkt.

Franz Eberhofer trinkt ja gern auch mal einen Jacky und hört Rockmusik. Welche Musik hört denn Sebastian Bezzel bevorzugt?

Bezzel: (lacht) Es ist irgendwie tatsächlich so, wenn ich Eberhofer-Filme drehe, höre ich in der Zeit auffallend viele dieser alten Rock-Klassiker wie AC/DC oder Deep Purple. Ansonsten bin ich aber auch da deutlich facettenreicher, als der Franz. Ich höre alles Querbeet, von Jazz, Soul bis Rock. Ich trage auch öfter verschiedene Kleidung und nicht immer nur ein T-Shirt und die gleiche Jeans. In der Hinsicht ist der Franz schon sehr bedarfslos, was ich aber auch ganz cool finde.

So sieht Sebastian Bezzel seine Zukunft als Franz Eberhofer

Hatten Sie die Bücher von Rita Falk schon gelesen, bevor Sie das Angebot für die Filmrolle erhielten?

Bezzel: Nein, hatte ich nicht. Als nach dem Casting klar war, dass es mit der Rolle klappt, wollte ich die Bücher eigentlich lesen, aber dann wurde mir schnell klar, was sich da schon für ein Kult entwickelt hatte und dass wahnsinnig viele Menschen diese Bücher gelesen hatten. Das war dann in dem Moment für meine Rolle zu viel Info. Ich wollte da völlig frei rangehen und mich nur an dem Drehbuch orientieren. Daher hatte ich mich damals bewusst dagegen entschieden, vorab die Bücher zu lesen. Erst nach Drehschluss von "Dampfnudelblues" habe ich alle Bücher gelesen.

Sie haben ja dem Franz Eberhofer mittlerweile ein Gesicht gegeben. Sämtliche Fans der Verfilmungen bringen diesen Charakter dadurch automatisch mit Ihnen in Verbindung. Werden Sie diese Rolle auch in Zukunft übernehmen?

Bezzel: Naja, jetzt kommt ja erstmal der vierte Teil im August in die Kinos. Dann drehen wir in diesem Jahr noch den fünften Teil, "Sauerkrautkoma". Wie es dann weitergeht, weiß ich noch nicht.

"Landshuter Hochzeit, Kühnhackl, Schloder, EV Landshut"

An welchen Orten in Niederbayern wurde denn für "Grießnockerlaffäre" gedreht?

Bezzel: Wir waren diesmal unter anderem auch in Straubing. Dort wurde die Szene mit der Amokübung in einer stillgelegten Schule gedreht.

Hat es Ihnen in Straubing gefallen?

Bezzel: Ich habe gute Erinnerungen daran. Sehr schön war unser Besuch im Rahmen der Kinotour von "Schweinskopf al Dente". Da war eine super Stimmung im Kino und ich habe dort ein wahnsinnig gutes Bier getrunken. Leider weiß ich den Namen der Brauerei nicht mehr.

Ein Eberhofer-Fall während der Landshuter Hochzeit? "Das könnte gut funktionieren"

Gedreht wurde ja auch diesmal wieder in Landshut. Was wussten Sie vorher von Landshut?

Bezzel: Landshuter Hochzeit und Eishockey. Oder noch präziser: Kühnhackl, Schloder und EV Landshut. (lacht) Ich war auch schon vor der Eberhofer Zeit ein, zwei Mal in Landshut. Mir gefällt die mittelalterliche Innenstadt sehr gut.

Die glorreichsten Zeiten des EV Landshut liegen ja mittlerweile leider schon etwas zurück...

Bezzel: Dafür ist jetzt aber Tom Kühnhackl in die große weite Welt hinausgezogen und hält die Fahne des Landshuter Eishockeys hoch.

Gerade ist ja in Landshut die berühmte Landshuter Hochzeit zu Ende gegangen. Wäre diese mittelalterliche Veranstaltung nicht auch einmal der passende Rahmen für einen Eberhofer-Krimi?

Bezzel: Sicher ist das optisch ganz toll, das macht natürlich unglaublich was her. Aber der beste optische Rahmen hilft einem nichts, wenn man nicht auch eine gute Story dazu hat. Es müsste also auch ein guter Fall dazu da sein, dann könnte das schon gut funktionieren.

"Das unterscheidet Oberbayern von Niederbayern"

Sie selbst sind ja gebürtiger Oberbayer. Würden Sie sagen, Oberbayern und Niederbayern unterscheiden sich in puncto Mentalität?

Bezzel: Es ist schon ein Unterschied da. Und ich finde, das ist auch ganz offensichtlich. Ich habe mal vor Jahren mit Ottfried Fischer, der ja Niederbayer ist, "Der Bulle von Tölz" gedreht, und der hat immer von einer "oberbayerischen Großmannssucht" geredet. Und das stimmt auch. Der Oberbayer lacht lauter, die Ortschaften werden viel mehr herausgeputzt, es gibt mehr Geranien an den Balkonen und die Dirndl-Ausschnitte sind noch größer. Ich liebe meine Heimat Oberbayern sehr, aber mittlerweile ist mir Niederbayern auch ans Herz gewachsen. Niederbayern kommt irgendwie anders daher, nicht so "gschleckt", nicht so operettig.

Markenzeichen der Eberhofer-Verfilmungen ist ja vor allem auch dieser authentische Spaß, dieses besondere Gefühl, das dem Zuschauer vermittelt wird. Geht es bei den Dreharbeiten auch immer so lustig zu, wie man sich das als Außenstehender vorstellt?

Bezzel: Wir mögen uns alle gern, es ist ein außergewöhnlich nettes Miteinander und natürlich haben wir auch unseren Spaß am Set. Trotzdem ist es vor allem auch sehr anstrengende Arbeit, die sehr viel Konzentration erfordert. Es ist also nicht so, dass wir den ganzen Tag vor Lachen nicht mehr können. Gerade Komödien sind oft sehr schwierig zu spielen. Vor allem dann, wenn man mal eine lustige Szene 30 Mal am Tag spielen muss. Dann ist diese Szene irgendwann auch nicht mehr so lustig.

"Diesmal geht es um den Kopf vom Franz"

Fällt Ihnen spontan eine lustige Anekdote von den Dreharbeiten zu "Grießnockerlaffäre" ein?

Bezzel: Also, wo wir alle am Set sehr lachen mussten, war die Szene, wo die Kollegin Franziska Singer, die die Frau Hausladen spielt, den Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) verprügelt und mit ihm ringt. Die hat sich da so richtig reingesteigert und hat das super gemacht. Ich glaube, der Simon war dadurch selbst ein bisschen überrascht und hat danach auch gesagt: "Genau so ist es richtig!"

Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an "Grießnockerlaffäre"? Warum sollte man sich diesen Film auf keinen Fall entgehen lassen?

Bezzel: Wenn man vom Eberhofer-Kosmos Fan ist, dann ist dieser Teil ganz wichtig. Denn diesmal passiert eine ganz wichtige Geschichte mit der Oma. Es ist auch eine sehr rührende Geschichte und man erfährt auch ganz viel über die Oma. Dabei werden so einige Geheimnisse der Familie Eberhofer gelüftet. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch spannend, weil es diesmal um Franz Eberhofers Kopf geht. Er ist der Hauptverdächtige, der diesmal nicht aus einer Neugier heraus ermittelt, sondern die Gefahr ist ganz konkret für ihn, dass er als Mörder verurteilt wird und er weiß, dass er es nicht war.

In wenigen Tagen ist in Bayern Kinopremiere von "Grießnockerlaffäre". Ist man da trotz aller Routine noch nervös?

Bezzel: Im Moment ist es so, dass ich noch Dreharbeiten in Berlin habe. Dazu ist noch familiär in Hamburg (Wohnort von Sebastian Bezzel, Anm. d. Red.) einiges am Start, was noch organisiert werden muss. Daher habe ich jetzt noch gar keine große Zeit, darüber nachzudenken. Naturgemäß ist es aber natürlich so, je näher die Kinopremiere kommt, desto mehr steigt die Vorfreude. Natürlich ist man auch ein bisschen nervös und hofft, dass der Film gut ankommt, aber die Vorfreude überwiegt. Vor allem darauf, das ganze Team und die Kollegen wieder zu sehen, die man sonst ja nicht so oft sieht. Das sind immer ganz nette Feste.

Das wäre Sebastian Bezzels Traumrolle

Wenn Sie eine weltberühmte Rolle der Filmgeschichte verkörpern dürften, welche würden Sie wählen?

Bezzel: "Butch Cassidy and the Sundance Kid" ist einer meiner Lieblingsfilme. Und die Rolle des Butch Cassidy, damals gespielt von Paul Newman, würde mich reizen. Ich könnte das natürlich nicht so gut wie er, weil er das überragend gespielt hat, aber ich finde diese Figur ganz toll.

Was ist Ihr bevorzugtes Metier bei Filmen? Komödien? Krimis? Thriller? Oder sogar Horrorfilme?

Bezzel: Es muss einfach ein guter Film sein. Ich habe da gar nicht mal so das bestimmte Beuteschema. Also gute Komödien mag ich wahnsinnig gerne, das ist ganz klar. Aber eine gute Komödie ist auch immer irgendwie was Trauriges. Gute Krimis liebe ich auch. (Es gibt so viele gute deutsche Krimis, allen voran die "Tatorte".) Generell gibt es aber kein Genre, das für mich über allen anderen steht.

Sie haben Ihre aktuellen Dreharbeiten in Berlin vorhin bereits angesprochen. Welche Filmprojekte stehen bei Ihnen als nächstes auf der Agenda?

Bezzel: In Berlin habe ich jetzt gerade erst angefangen zu drehen. Das wird ein Zweiteiler für Sat.1. Geht so in Richtung Krimi oder Thriller. Dann werde ich wie gesagt dieses Jahr noch den fünften Eberhofer-Krimi "Sauerkrautkoma" drehen. Darüber hinaus gibt es aktuell noch ein bis zwei Sachen, die allerdings noch nicht unterschrieben sind und daher sollte man darüber noch nicht sprechen, denn das ist bekanntlich ganz schlecht fürs Karma. Das ist der Schauspieler-Aberglaube. (lacht)