Parkscheibenpflicht am Kaserneneck

Gelbe Strafzettel im Minutentakt

Kunden werden seit Februar zur Kasse gebeten


So sieht der gelbe Strafzettel aus, der vom Parkplatzwächter um den Scheibenwischer gewickelt wird.

So sieht der gelbe Strafzettel aus, der vom Parkplatzwächter um den Scheibenwischer gewickelt wird.

Beim Fachmarktzentrum am Kaserneneck gilt seit über einem Jahr Parkscheibenpflicht. Weil Studenten und Pendler das Park-Areal als Dauerparkplatz genutzt haben, hat der Parkplatzbesitzer jetzt ein privates Überwachungsunternehmen engagiert. Wer keine Parkscheibe eingelegt hat, bekommt einen Strafzettel und muss 30 Euro zahlen. Die Kunden sind von der neuen Regelung nicht begeistert. Viele fühlen sich abgezockt und wollen das Fachmarktzentrum mit seinen Supermärkten in Zukunft meiden.

"Ist das euer Ernst? Ich war gerade mal elf Minuten bei euch und jetzt muss ich einen Strafzettel in Höhe von 30 Euro zahlen. Das ist mir auf Dauer zu teuer, dann kaufe ich in Zukunft woanders ein", sagt Marlene Muntenbruch und macht ihren Ärger im dm-Markt am Kaserneneck Luft. Weil sie keine Parkscheibe eingelegt hatte, klemmte ihr ein Parkplatzwächter kurzerhand einen Strafzettel an die Windschutzscheibe. Darauf steht: "Sehr geehrter Verkehrsteilnehmer, Sie haben auf Privatparkplatz geparkt und gegen die allgemeinen Geschäftsbedingungen von ,Park & Control' verstoßen. Auf die AGB wird auf den Hinweisschildern mindestens an den Zufahrten hingewiesen." Weil die Parkscheibe nicht hinter der Windschutzscheibe lag, sei ein Parkverstoß begannen worden, sodass nun eine Vertragsstrafe in Höhe von 30 Euro zu zahlen sei.

Die Mitarbeiter bekommen den Frust der Kunden ab

Die Mitarbeiter im Drogeriemarkt entschuldigten sich sofort und erklärten, dass sie nichts dafür können, sondern der Privatinvestor des Areals an der Ritter-von-Schoch-Straße eine Parkscheibenpflicht eingeführt hat. "Etwas Gutes habe ich zu der Parkscheibenpflicht noch nicht gehört", sagt Drogistin Lisa Müller. Und auch in der benachbarten Apotheke bekommen die Angestellten oft den Ärger der Kunden direkt ab. "Beschwerden gab es schon sehr viele, und es ist ja klar, dass keiner von den Strafzettel begeistert ist." Auch beim Discounter Lidl liegt auf dem Kassenband neben den Waren immer mal wieder ein gelber Strafzettel. "Das zahle ich nicht", heißt es dann sofort an der Kasse, wenn die Angestellten versuchen, das Dilemma zu erklären. Der Frust ist groß: bei Kunden und Angestellten.

Am schlimmsten trifft es aber täglich den Parküberwacher, der die gelben Strafzettel ausstellt. In gebrochenem Deutsch erklärt er, was er täglich auf dem privaten Parkplatz erlebt. "Alle sind immer böse auf mich, aber ich mache ja auch nur meinen Job." Täglich geht er durch die Autoreihen und notiert die Fahrzeuge, die keine Parkscheibe oder einen Zettel mit Ankunftszeit hinter der Windschutzscheibe liegen haben. Ist der Autofahrer nach zehn Minuten nicht zurück, muss der Parkwächter einen Strafzettel ausdrucken. "Zum Glück verstehe ich nicht alle Schimpfwörter", sagt der Parküberwacher. "Ich bin aber sogar schon mal geschlagen worden, weil ein Mann so böse wegen dem Strafzettel war."

Am Rewe-Markt klebt an der Eingangstür ein großes Plakat, auf dem an die Parkscheibe erinnert wird. "Wir verstehen die Intention des Investors", sagt Matthias Galgon, stellvertretender Marktleiter. "Parkraum in Landshut ist teuer, da möchte man keine Dauerparker. Aber für uns ist die jetzige Situation geschäftsschädigend, weil die Kunden vielleicht einmal einen Strafzettel zahlen, dann aber nicht mehr kommen." Damit das nicht passiert, habe man sich mit der Parkraumüberwachung "Park & Control" geeinigt, dass der Strafzettel einmalig storniert werden kann. Das ist der Fall, wenn nachgewiesen werden kann, dass der Kunde gerade im Markt einkaufen war. "Wenn der Strafzettel nicht storniert werden kann, dann übernehmen wir die Kosten", sagt Galgon. Obwohl die Parkscheibenpflicht schon länger gilt, müssen laut Galgon an einem Samstag immer noch 20 bis 30 Zettel storniert werden. Und auch andere Geschäfte lassen einmalig den Strafzettel stornieren. Wie viele Kunden einen Strafzettel bekommen haben und nie wieder zum Fachmarktzentrum kommen, sei unklar.

Was sagt der Eigentümer zu dem Dilemma vor Ort?

Strafzettel ausstellen und dann wieder stornieren - macht das überhaupt Sinn? Dieter Schuch, Bauobjektleiter der Firma Digivest, der das Parkareal gehört, sagt Ja. "Wenn sich ein Kunde ungerecht behandelt fühlt, haben die Supermärkte die Chance, den Strafzettel einmalig zu stornieren", sagt Schuch. "So muss jetzt auch niemand Angst haben, dass die Kunden nicht mehr kommen, nur weil sie das Schild einmal übersehen haben." Warum die Parkscheibenpflicht überhaupt eingeführt wurde, sei schnell erklärt: "Der Parkplatz wurde lange von Dauerparkern zweckentfremdet, und da haben sich dann die Supermarkt-Ketten bei uns massiv beschwert, weil sie zu wenig Umsätze generierten." Weil die Supermärkte den Parkplatz anmieten, musste gehandelt werden. "Wir haben im April 2016 Hinweisschilder aufgestellt, aber das alleine hat keine Wirkung gezeigt", sagt Schuch. Um Dauerparker endgültig auszusperren wurde nun Anfang des Jahres die Firma "Park & Control" beauftragt, das Areal zu überwachen. "Die Dauerparker sind jetzt auch weg und die Einzelhändler zufriedener."

Der Tatsache, dass die Kunden jetzt verärgert sind und von Abzocke sprechen, setzt Schuch entgegen, dass es ohne Parküberwachung ja nicht geklappt habe. "Wir hätten als Eigentümer sogar das Recht, die Falschparker abschleppen zu lassen und das würde dann über 300 Euro kosten", sagt Schuch. 100 Parkplätze stehen am Kaserneneck aber nach wie vor kostenlos zur Verfügung. Diese befinden sich bei der Einfahrt an der Konrad-Adenauer-Straße auf Höhe der dortigen Sparkassen-Filiale.