Nachwuchsfußball

Gerhard Peintinger So denkt Chams neuer NLZ-Chef


Chams NLZ-Leiter Gerhard Peintinger.

Chams NLZ-Leiter Gerhard Peintinger.

Von Magnus Rötzer

Als Nachfolger von Uwe Mißlinger übernahm Gerhard Peintinger im Sommer den Posten des Leiters im Nachwuchsleistungszentrum des ASV Cham. Peintinger will das NLZ als Fundament des Vereins weiter stärken und erwartet dafür vom ASV-Nachwuchs vor allem Ehrgeiz, Leidenschaft und Lernbereitschaft.

In seiner Talentschmiede wünscht sich der neue NLZ-Leiter "ehrgeizige Spieler, die immer Vollgas geben, lernbereit sind und bereit sind, sich entwickeln zu lassen." Der Fußball solle bei den ASV-Talenten immer im Vordergrund stehen, "ohne natürlich die Schule zu vernachlässigen", fordert der 43-Jährige. Dieser Gedanke spiegelt sich auch in der Spielphilosophie der Chamer Nachwuchsmannschaften wider, denn laut Peintinger versucht eine ASV-Mannschaft "hoch anzulaufen, hoch zu pressen und an ihr Maximum zu gehen." Im Spiel mit und gegen den Ball gebe es Grundsätze, die sich durch den gesamten Nachwuchsbereich ziehen. "Wie diese im Detail umgesetzt werden, hängt dann auch mit den Umständen, also zum Beispiel dem Tabellenstand oder dem Gegner, zusammen. Aber prinzipiell versuchen wir schon, sehr offensiv, aggressiv und attraktiv zugleich zu spielen."

Dem Leistungsabfall einzelner Spieler wirken die Trainer gezielt mit der Trainingssteuerung entgegen und man versucht, Gespräche mit dem Spieler zu führen. "Wenn man merkt, dass ein Spieler nicht bereit ist, Leistung zu bringen, dann trennt man sich im schlimmsten Fall von ihm", erklärt Peintinger. Auch den Trainern des Chamer Nachwuchses wird im Hinblick auf die zahlreichen Trainingseinheiten, der Leistungserfassung der Spieler und den Gesprächen mit ihren Schützlingen einiges abverlangt. Man wolle im ASV-Nachwuchs immer versuchen, eine maximale Trainerqualität zu haben, um den jungen Spielern die "bestmögliche Ausbildung zu geben", so Peintinger.

Um die gewünschte Trainerqualität zu erreichen, gebe man den Trainern möglichst viel Handwerkszeug und Input mit auf den Weg, ermögliche ihnen viele Fortbildungen und nehme ihnen so viel wie möglich ab. So habe man dieses Jahr beispielsweise angefangen, die einzelnen Spieler durch Individualtraining des neuen Reha- und Individualtrainers Daniel Laubmeier stärker zu machen. Des Weiteren stelle man den Nachwuchsfußballern ein Kräftigungsprogramm zur Verfügung, das von jedem Spieler vor Trainingsbeginn durchgeführt werden soll.

Eng verbunden: Leistung und Entwicklung

Der Leiter des Chamer NLZs ist der Ansicht, dass eine positive Entwicklung der einzelnen Spieler auf guten Leistungen der Mannschaft beruht. Ein Spieler könne sich meist nur positiv entwickeln, "wenn die Leistungen der Mannschaft einigermaßen passen. Wenn ich laufend verliere und absteige, dann ist das für die Entwicklung nicht unbedingt förderlich", meint Peintinger.

Andere Faktoren könnten derweil die Leistung zusätzlich fördern. So sieht Peintinger beispielsweise das große Interesse an Spielen der Chamer Nachwuchsteams wie der U15-Bayernliga-Mannschaft als zusätzliche Motivation für die Nachwuchsspieler. "Die zahlreichen Zuschauer geben den Jungs auf dem Feld noch einmal einen Extra-Kick", erklärt Peintinger.

Für den 43-Jährigen steht nach eigener Aussage die Entwicklung der Spieler ist immer an erster Stelle, er sagt allerdings im selben Atemzug, dass "wir alles daran setzen werden, die Ligen zu halten." Ein Widerspruch? Der NLZ-Leiter sieht die beiden Begrifflichkeiten Entwicklung und Leistung sehr eng miteinander verbunden: "Das eine schließt das andere nicht aus."

Es gilt somit für den ASV Cham, die aktuellen Ligen im Nachwuchsbereich zu halten. Peintinger selbst weiß, dass dies kein einfaches Unterfangen ist: "Wir stehen mit jeder Mannschaft hinten drin, es könnte durchaus der Fall eintreten, dass man mit allen Mannschaften absteigt." Sollte dies passieren, "geht die Welt aber auch nicht unter. Dann versuchen wir das im nächsten Jahr wieder zu korrigieren."

Die Bedeutung von Ergebnissen nimmt nach Ansicht Peintingers mit zunehmendem Alter zu. In der U14 sei die Tabellenplatzierung erheblich weniger entscheidend als beispielsweise in der U17 oder U19. "Dort ist wichtig, dass jeder Spieler seine Einsatzzeiten bekommt und sich zeigen und entwickeln kann, um vorbereitet für die U15-Bayernliga zu sein."

Vom NLZ profitiert die ganze Region

Langfristig muss es laut Peintinger immer die Philosophie eines Nachwuchsleistungszentrums sein, dass man Spieler später in den Herrenbereich einbindet und integriert. "Ansonsten müsste man diese Nachwuchsförderung nicht unbedingt machen", findet er. Für ihn sei das NLZ allerdings nicht nur für den Verein selbst da, "sondern auch ein Stück weit für die Region."

In einigen Landesliga- oder Bezirksligamannschaften des Landkreises befinden sich viele ehemalige Spieler aus dem Chamer Nachwuchs. "Oft werden wir dafür kritisiert, dass wir Spieler in der Jugend von ihren Heimatvereinen wegholen. Aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Spieler auch irgendwann wieder den Weg zurück zu ihren Heimatvereinen finden und diese wiederum weiterbringen, ob als Spieler oder Spielertrainer."

Peintinger sieht ein Nachwuchsleistungszentrum in der Verantwortung, in erster Linie für den Verein, aber gleichzeitig auch für die Region zu stehen. "Wir bieten außerdem dezentrale Trainerlehrgänge an, von denen die Vereine aus unserer Region profitieren, wenn sie Leute schicken, die an diesen Ausbildungen interessiert sind. Danach gehen die Trainer wieder zurück zu ihren Vereinen und können das erlangte Wissen praktisch anwenden."

Infos zu Gerhard Peintinger:

Mit dem Fußballspielen begonnen hat Peintinger bei der DJK Vilzing. Über den FC Chammünster führte sein Weg zum damaligen Bezirksoberligisten, dem 1. FC Miltach. Dort war er lange Zeit in beiden Mannschaften aktiv, ehe er als Spielertrainer der zweiten Mannschaft in der Kreisklasse fungierte. Anschließend legte er eine Pause vom Fußball ein, und stieg später als Trainer der ersten Mannschaft wieder in das Geschehen ein. 2015 beendete er sein Arrangement in Miltach und begann als Funktionär beim ASV Cham.