Mehr antisemitische Vorfälle

Ministerin Karliczek will "Gift" bekämpfen


Antisemitismus wirke in der Querdenken-Szene wie ein "ideologischer Kitt", sagt Felix Klein.

Antisemitismus wirke in der Querdenken-Szene wie ein "ideologischer Kitt", sagt Felix Klein.

Mit 35 Millionen Euro will die Bundesregierung bis 2025 Projekte unterstützen, die Rechtsextremismus und Rassismus besser erforschen. Allein zwölf Millionen Euro stellt das Bundesforschungsministerium für die nächsten vier Jahre zur Verfügung, um "das Gift des Rechtsextremismus" besser zu bekämpfen. "Das Jüdische Leben in Deutschland ist heute so bedroht, wie lange nicht mehr", sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Mittwoch in Berlin. Im Jahr 2020 wurden 2.351 antisemitische Vorfälle polizeilich gemeldet - das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings müsse man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen, sagte Karliczek.

Viele glauben an Verschwörungstheorien

Vor allem Corona-Leugner und die "Querdenker"-Bewegung hätten jüngst dazu beitragen, "den Judenhass auf die Straße zu tragen und die Grenzen des Sagbaren zu verschieben", sagte Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung. Antisemitismus wirke dort wie ein "ideologischer Kitt". Weil laut Umfragen mehr als die Hälfte der Bevölkerung an Verschwörungstheorien glaube, sei es umso wichtiger, dieses Phänomen wissenschaftlich zu erforschen.

Bessere Vermittlung jüdischer Alltagskultur

Mit einer Förderrichtlinie hat die Bundesregierung bereits im Juni beschlossen, Ursachen und Wirkung besser zu erforschen, um Rechtsextremismus und Rassismus in der Gesellschaft besser bekämpfen zu können. Mit den geförderter Projekten soll zum Beispiel untersucht werden, wie sich Antisemitismus in Schulen zeigt oder welche Ausprägungen Judenhass und Hetze im Internet mittlerweile angenommen haben. Ein "verlässliches Wissen" sei wichtig, sagte Klein, dazu gehöre auch die bessere Vermittlung jüdischer Alltagskultur.