Umweltschutz

Kabinett beschließt Programm zur Stärkung der Ökosysteme

Meere, Wälder oder Moore sind enorm wichtig für den Klimaschutz und die Menschen, denn sie speichern Kohlenstoff. Die Bundesregierung will die Ökosysteme nun mit einem Milliardenprogramm stärken.


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Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) steht im Nationalpark Unteres Odertal am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder.

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch ein vier milliardenschweres Aktionsprogramm für natürlichen Klimaschutz beschlossen. Das Vorhaben hatte die Ampel in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. Das Aktionsprogramm sieht in zehn Handlungsfeldern vor, Ökosysteme wie Meere, Wälder oder Moore zu schützen und stärken. Denn diese binden Kohlendioxid aus der Atmosphäre und speichern es langfristig. Zudem wirken sie bei Extremwetterereignissen durch den Klimawandel als Puffer: Ein Wasserhaushalt, der "das Wasser in der Landschaft hält, ist beispielsweise die Voraussetzung für die Wiedervernässung von Mooren und anderen Feuchtgebieten", heißt es in dem Papier.

Gleichzeitig beuge er Dürren vor und schaffe sogenannte Retentionsräume. Dies sind Flächen, die bei Hochwasser überschwemmt werden und den Flüssen den nötigen Raum zum Ausufern geben. So dienen sie als Schutz vor lokalen Überschwemmungen nach Starkregenereignissen, die in Zukunft voraussichtlich häufiger und stärker auftreten werden.

"Das ist definitiv ein Paradigmenwechsel, den wir damit im Naturschutz in Deutschland jetzt haben, weil das erste Mal auf Bundesebene in einem solch gravierenden Umfang in Renaturierung und in Naturschutz investiert wird", sagte Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) nach dem Kabinett. "Ich denke, dass alte Wälder, lebendige Flüsse oder auch kühle Städte in einem Hitzesommer von unseren
Bürgerinnen und Bürgern gewollt werden", führte sie aus. Das Programm sei ein guter Schritt, um Ökosysteme in dieser Form zu erhalten oder wiederherzustellen, wo sie nicht mehr existierten.

Einige Maßnahmen sollen dem Umweltministerium zufolge möglichst sofort umgesetzt werden. Dazu gehört den natürlichen Klimaschutz in die Kommunen zu bringen. Konkret heißt das, dass in kommunalen Projekten Flächen so genutzt werden sollen, dass sie Klimaschutz und biologische Vielfalt fördern.

Außerdem soll ein Kompetenzzentrum für Natürlichen Klimaschutz eingerichtet werden. Dort sollen Besitzer von Land Informationen zu Fördermöglichkeiten in ihrer Region erhalten.

Die Wiedervernässung von Mooren sei hingegen eine langfristige Aufgabe für Jahrzehnte, hieß es aus dem Umweltministerium. Allein 53 Millionen Tonnen Treibhausgase würden in Deutschland jährlich in die Atmosphäre freigesetzt, weil entwässerte Moorböden ihre Funktionen nicht erfüllen könnten. Intakte Moorböden können hingegen langfristig Kohlenstoff im Torf binden.

Ein besonderer Fokus liegt zudem auf dem Wald als Senker von Treibhausgasen. Deutsche Wälder sollen Kohlenstoff aus der Atmosphäre dauerhaft einbinden, doch zunehmende Trockenheit und Extremwetterereignisse durch die Klimakrise schädigen den Wald. Nach einer letzten Prüfung sei nur 36 Prozent der Waldfläche in Deutschland naturnah, hieß es in dem Papier. Daher sollen von 2023 bis 2030 jährlich 10.000 Hektar Wald neu entstehen. Zudem müssten Nadelholzplantagen zu naturnahen Mischwäldern entwickelt werden.

Der Deutsche Bauernverband zeigte sich besorgt, dass das Aktionsprogramm zu einem "Stilllegungsprogramm für landwirtschaftliche Flächen" werde. Es biete den Betrieben, "abgesehen von der Moornutzung keine sinnvollen Maßnahmen an oder nur solche, deren Klimawert fragwürdig ist", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied der Deutschen Presse-Agentur. "Das Aktionsprogramm muss für uns Bauern auch Geschäftsmodelle für natürlichen Klimaschutz bieten. Nur so kann die Landwirtschaft Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz miteinander verbinden."