AZ-Gastkommentar von Verena Bentele

Grundrente: Das reicht uns noch nicht!


Verena Bentele

Verena Bentele

Von Agnes Kohtz

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK über die Grundrente.

Die Grundrente ist nicht perfekt, aber sie ist richtig: Über eine Million Menschen haben künftig mehr Geld im Portemonnaie. Das ist eine gute Nachricht. Dafür hat der Sozialverband VdK lange gekämpft.

Wichtig ist mir dabei: Von der Grundrente profitieren in erster Linie viele Frauen, die neben ihren teils schlecht bezahlten Jobs, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt haben. Die Bundesregierung wertet diese Renten auf, ohne dass die Leute ihre finanzielle Bedürftigkeit nachweisen müssen. Es ist gut, dass diese Menschen keinen entwürdigenden Gang zum Sozialamt machen müssen. Wer um den Lohn für seine Lebensleistung beim Amt betteln muss, empfindet das nicht gerade als Ausdruck des Respekts.

Grundrente: Frauen profitieren

Doch auch wenn der Gesetzgeber auf unwürdige Bürokratie verzichtet: Das reicht uns noch nicht. Die Bundesregierung lässt viele Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentner im Regen stehen. Sie gehen nach den aktuellen Plänen leer aus. Wer noch vor dem Renteneintrittsalter seinen Beruf aufgeben musste, hatte keine Chance, seinen Lebensunterhalt selbst zu erwirtschaften. Wer keine 33 Grundrentenjahre nachweisen kann, der wird bestraft. Das ist nicht nachvollziehbar. Auch diese Menschen haben einen Anspruch auf eine bessere Rente.

Wir fordern daher, dass schon 30 Jahre reichen, damit die Grundrente ausgezahlt wird. Außerdem sind Zeiten der Erwerbsminderung anzurechnen. Für mich ist klar: Die Grundrente ist eine erste Stellschraube, an der jetzt gedreht wurde. Wir müssen aber noch an weiteren Schrauben drehen. Leider wird es auch in Zukunft Rentnerinnen und Rentner geben, die zum Sozialamt gehen müssen. Heute wäre ein noch besserer Tag, wenn es die Grundrente nicht bräuchte.

"Mindestlohn von über 12,80 Euro"

In einem so reichen Land wie Deutschland sollten alle genügend verdienen können, um fürs Alter vorzusorgen. Wir brauchen endlich einen Mindestlohn von über 12,80 Euro. Nur dann beziehen die Menschen nach einem Leben voller Arbeit eine Rente oberhalb der Grundsicherung.

Und wir brauchen ein stabil hohes Rentenniveau von mindestens 50 Prozent. Ziel muss es sein, dass alle, die ein Leben lang gearbeitet haben, von ihrer Rente leben können.

Der Sozialverband VdK setzt sich für eine gute Rente für alle ein. Dafür demonstrieren wir Ende März auf unserer großen Rentendemo. Mit ihrer Hilfe retten wir das soziale Klima. Machen sie mit am 28. März in München.

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