Schiff vor Norwegen in Seenot

"Viking sky" abgeschleppt - Evakuierung ausgesetzt


Ein Helikopter fliegt über der "Viking Sky". Das Schiff ist vor Norwegen in Seenot geraten.

Ein Helikopter fliegt über der "Viking Sky". Das Schiff ist vor Norwegen in Seenot geraten.

Von Lukas Schauer / Onlineredaktion

Die Traumreise wird zum Horrortrip: Bei einem Sturms gerät ein Kreuzfahrtschiff mit 1373 Menschen an Bord vor der norwegischen Küste in Seenot. Ein Motor fiel aus. Nun müssen die Passagiere per Hubschrauber gerettet werden. Ein Nervenspiel, das dauert.

Oslo - Das bei stürmischer See vor der norwegischen Küste havarierte Kreuzfahrtschiff "Viking Sky" ist am Sonntag Richtung Hafen geschleppt worden. Die Evakuierung des Schiffs mit Hubschraubern sei vorerst ausgesetzt, teilte der südnorwegische Rettungsdienst mit. Schlepper sollten die "Viking Sky" in den Hafen der Stadt Molde bringen. Die Nachrichtenagentur NTB berichtete, der Kapitän werde während der Fahrt entscheiden, ob die Rettung per Helikopter fortgesetzt werden solle. In den Stunden davor waren rund 460 der insgesamt 1373 Menschen an Bord an Land geflogen worden.

Die "Viking Sky" war am Samstagnachmittag wegen Problemen mit dem Antrieb in einem gefährlichen Abschnitt der zentralen Westküste Norwegens in Seenot geraten. Nach Reedereiangaben waren 915 Passagiere und 458 Besatzungsmitglieder an Bord des 227 Meter langen Schiffes. Die meisten Fahrgäste sind laut Behördenangaben Briten und Amerikaner. Auch zwei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit zählten zu den Passagieren.

Kleine Gruppen per Hubschrauber gerettet

Hubschrauber brachten in einer dramatischen Aktion bis zum Morgen fortwährend kleine Gruppen von jeweils rund 15 Passagieren an Land, wie die Kommune Fræna bei einer Pressekonferenz mitteilte. "Sie hatten keine gute Nacht, sie hatten Angst", sagte ein Sprecher. 17 Passagiere seien ins Krankenhaus gebracht worden. Am Ort der Havarie herrschte weiter hoher Seegang, der die Rettung erschwerte.

Aufnahmen von Bord des Schiffes zeigten dramatische Szenen: Die "Viking Sky" schwankte heftig, durch die Fenster sahen die Passagiere riesige Wellen. Sessel, Tische und Pflanzen rutschten im Schiff hin und her, einer Frau fiel ein Brett auf dem Kopf. Viele Menschen an Bord trugen Rettungswesten. Ein Passagier schrieb, die Besatzung mache einen fantastischen Job und sorge dafür, dass alle ruhig und versorgt seien.

Die "Viking Sky" war im Küstenabschnitt Hustadvika unterwegs, einem Seegebiet, das unter anderem wegen zahlreicher kleiner Inseln und Riffe als gefährlich gilt. Dort ist es in der Vergangenheit schon häufiger zu Schiffsunfällen gekommen. Nach Angaben des norwegischen Rundfunksenders NRK war die "Viking Sky" zeitweise nur noch 100 Meter davon entfernt, auf Grund zu laufen.

Viele Passagiere traumatisiert

Die Reederei teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, die zwei deutschen Frauen unter den Passagieren seien 74 und 66 Jahre alt. Ob sie bereits in der Nacht von Bord geholt wurden oder am Sonntag weiter auf dem Schiff ausharren mussten, war laut einem Sprecher von Viking Cruises zunächst unklar. Das Rote Kreuz teilte mit, viele der Passagiere seien traumatisiert. Sie würden psychologisch betreut.

Die Gäste der 2017 in Betrieb genommenen "Viking Sky" waren auf Kreuzfahrt entlang der norwegischen Westküste. Die nächste Kreuzfahrt-Etappe des Schiffs hätte von Mittwoch an Skandinaviens Küste entlang und durch den Nord-Ostsee-Kanal gehen sollen. Diese Tour wurde nun wegen des Vorfalls abgesagt.

Die Einsatzkräfte in dem Gebiet hatten am Samstag auch die neunköpfige Besatzung eines ebenfalls in Seenot geratenen Frachters retten müssen. Die "Hagland Captain" hatte ebenfalls einen Maschinenschaden und bekam daraufhin Schlagseite, wie der südnorwegische Rettungsdienst mitteilte. Der Frachter war auf dem Weg zur "Viking Sky", um zu helfen.