Prinzregententheater

Kammermusik mit Julia Fischer und Aris Alexander Blettenberg


Julia Fischer.

Julia Fischer.

Von Robert Braunmüller / TV/Medien

Töne sausen wie Pfeile im Raum: Julia Fischer und Aris Alexander Blettenberg im Prinzregententheater.

Kompromisslos hat Julia Fischer ja immer gespielt. Doch so resolut wie in ihrem aktuellen Programm hat sie die Extreme der Violine wohl noch nicht ausgelotet. Den Kunstgriff etwa, Töne mit einem explosiven Akzent zu beginnen, dann hochgespannt zurückzunehmen und schließlich wie einen Pfeil in den Raum hinein abzufeuern, macht der Münchnerin keiner nach: Da erhält das Wort "Bogen" eine andere Bedeutung. In der Violinsonate von Francis Poulenc, einem fordernden Werk aus den Kriegsjahren, kommen noch wegwerfende Pizzicati und die unglaubliche körperliche Kraft dazu, mit der sie mit dem Bogen die Violine geradezu zu zersägen scheint. Phänomenal.

Eher unvorbereitet trifft den Hörer diese anspringende Art in der schwärmerisch gestimmten Violinsonate Nr. 1 A-Dur von Gabriel Fauré. Auf deren wohliges harmonisches Mäandern lässt sich Julia Fischer nicht ein, vielmehr gleitet ihr sehniger Violinton mit vibrierender Energie durch die ausladenden Klangwogen, die ihr pianistischer Partner Aris Alexander Blettenberg vornehm abgedämpft ausbreitet. Gleichzeitig ist sie jedoch nicht in dieser zupackenden, aggressiven Haltung gefangen, sondern kann in beiden französischen Sonaten auch deren zarte Melodien anrührend natürlich phrasieren: salonhaft bei Fauré, chansonartig bei Poulenc.

Kühler Herbstwind

Wiederum ganz andere Welten entwerfen die beiden Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert. In Mozarts Violinsonate Es-Dur KV 380 streicht Julia Fischer auch einmal fragil, wobei sie selbst bei fahlen Stellen, in denen ein kühler Herbstwind durch das Prinzregententheater weht, nie die Kontrolle über die Tongebung verliert.

Hier wie auch in Schuberts später Fantasie C-Dur ergibt sich ein erhellender Kontrast zum weicheren Spiel Blettenbergs, der die Verhältnisse so anschaulich macht, weil beide Partner sich vollkommen autonom entfalten - und dennoch zu einer höheren Einheit finden. Während Blettenberg in der Einleitung der Fantasie visionäre Klangflächen hinträumt, spannt Julia Fischer mit weitem Atem eine schier unendliche Melodie darüber auf, nie statisch, immer lebendig durchpulst; und nicht zuletzt von einer Schönheit, wie sie wohl nur nach dem Durchgang durch emotionale Abgründe möglich ist.

Am 13. Dezember moderiert Julia Fischer ein Konzert ihrer Kindersinfoniker in Gilching (bosco, 17 Uhr), am 19. Dezember wird das Programm um 19 Uhr im Gilchinger Probst-Gymnasium wiederholt. Am 19. Januar spielt die Geigerin Prokofjews Konzert Nr. 1 mit dem Orchestre National de France im Gasteig