Bayern

"Frauen können es eigentlich besser"

Die Raumfahrtbranche boomt. Der Sektor sucht händeringend Fachkräfte, vor allem Frauen - auch das Raketen-Start-up Isar Aerospace. Ein Besuch.


So sehen Raketenteile aus, die Isar Aerospace gerade entwickelt. Im Bild sind Treibstofftanks zu sehen, an denen getüftelt wird.

So sehen Raketenteile aus, die Isar Aerospace gerade entwickelt. Im Bild sind Treibstofftanks zu sehen, an denen getüftelt wird.

Von Hüseyin Ince

Ottobrunn - Dass der Flug in das Weltall nicht mehr nur irrwitzigen Milliardären wie Jeff Bezos oder Elon Musk vorbehalten ist, sieht man derzeit im Münchner Vorort Ottobrunn. Denn dort hat sich 2018 der Raketenbauer Isar Aerospace niedergelassen, gegründet von ehemaligen Münchner TU-Studenten.

Einer der Köpfe ist Josef Fleischmann (32), bayrisch-gemütlich, Chief Operating Officer, wie das international heißt. Und so langsam treibt ihn sein eigenes Unternehmen vor sich her. "Wir haben etwa 320 Mitarbeiter und könnten 50 weitere brauchen", sagt er, "vor allem Frauen." Das Unternehmen wächst. Noch im Sommer hatte Isar Aerospace "nur" 260 Mitarbeiter.

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Raketenchef Josef Fleischmann.

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ESA-Reserve-Astronautin Amelie Schönenwald und der schwedische Botschafter in Deutschland, Per Thöresson.

Das ist Fleischmanns Erfahrung, die er auch mit dem schwedischen Botschafter teilt, der am Dienstag in seiner Firma zu Gast gewesen ist. Per Thöresson tourt gerade durch Deutschland und wirbt für mehr Frauen in den naturwissenschaftlichen Berufen. Dazu wurden etwa 30 Schüler zu einer Firmen-Führung eingeladen, unter anderem vom Gymnasium Gauting.

Auch eine Reserve-Astronautin der ESA (European Space Agency) ist da, Amelie Schönenwald. Sie ist eine der wenigen Frauen in dem Beruf und erzählt von ihrem langjährigen Bewerbungsprozess. Sie hat unter anderem Biotechnologie studiert, ist eine von 17 Auserwählten aus 23 000 europäischen Bewerberinnen und Bewerbern. Und am Ende sind sich die beiden Männer Thöresson und Fleischmann sowie Schönenwald einig: Frauen tun einfach jeder Männergruppe gut.

"Teams sind dann besonders kreativ, wenn je zur Hälfte Männer und Frauen zusammenarbeiten und dazu aus vielen verschiedenen Ländern kommen", sagt Fleischmann. Auch Schönenwald sieht das so, sie nickt, während Fleischmann spricht. Fallstricke gebe es da schon. "Die Gefahr für Missverständnisse kann steigen. Aber mit klarer Kommunikation ist das gut vermeidbar", ist Fleischmann sicher.

Und der schwedische Botschafter weiß: "Frauen können es eigentlich besser. Sie sind fleißiger, gewissenhafter und haben meistens die besseren Noten." Nur 15 Prozent Mitarbeiterinnen habe Fleischmann derzeit. Aber das sei auch in etwa das Verhältnis der männlichen und weiblichen Studierenden in naturwissenschaftlichen Fächern.

Die Zahl der offenen Stellen ist nicht das einzige Problem von Isar Aerospace. Die Weiten des Weltalls sind unendlich, soweit dem Menschen bekannt. Aber Gewerbeimmobilien sind rar. Auch in Ottobrunn. Isar Aerospace hat derzeit 11 000 m² Fläche. "Wir bräuchten wahrscheinlich bis zu 50 000 m²", sagt Fleischmann. Und: "Wahrscheinlich müssen wir neu bauen."

Geht man durch die Hallen der Raketenfertigung in Ottobrunn, wird die Enge schnell deutlich. Überall piept und surrt es. Bei Isar Aerospace kommt nämlich von der Entwicklung bis zur Fertigung alles aus einer Hand. Man fühlt schnell, dass für all die 3D-Drucker, Drehmaschinen, Teststationen und Menschen viel mehr Platz nötig wäre.

Satelliten sind heute nur noch so groß wie Stühle

Spätestens Ende 2023 soll eine Rakete von Isar Aerospace ins Weltall starten. Die Firma will sich auf den Satelliten-Transport spezialisieren. Tausend Kilogramm soll das Trägersystem von Isar Aerospace in die Erdumlaufbahn bringen können. Und das hat natürlich seinen Preis: 10 000 Euro pro Kilogramm. Sprich: Im Optimalfall will Isar Aerospace mal zehn Millionen pro Flug ins Weltall umsetzen.

Dass ein Ottobrunner Start-up vielleicht bald in einem Millionengeschäft einsteigt, hat auch mit technologischem Fortschritt zu tun. "Früher waren Satelliten so groß wie Busse. Heute sind sie oft so groß wie ein kleiner Tisch oder ein Stuhl", weiß Fleischmann. Daher brauche man nicht mehr diese riesigen Raketen von früher. Auch deshalb boome der Markt.