Bayern

Deutsches Museum: Erstmals Hoffnung für ein neues Bergwerk

Wegen der Sanierung im Deutschen Museum verschwindet derzeit die beliebteste Ausstellung im Depot - und teils auf dem Müll. Doch jetzt gibt es erstmals begründete Hoffnung, dass das Bergwerk wiederkommt. Woher die Millionen kommen könnten.


Zum Teil wurde im Bergwerk auch echtes Gestein verbaut. Es wird verpackt und aufbewahrt.

Zum Teil wurde im Bergwerk auch echtes Gestein verbaut. Es wird verpackt und aufbewahrt.

Von Nina Job

Die beiden Bergleute liegen rücklings auf Holzpaletten, abgepolstert mit Schaumstoff. Wie sie so daliegen, herausgerissen aus der Bergwerk-Szenerie, mit komisch angewinkelten Armen und Beinen, wirken sie wie in ihrer Bewegung erstarrte Gestalten. 100 Jahre lang haben die Figuren in der berühmten Bergwerksausstellung im Deutschen Museum die Maloche unter Tage veranschaulicht.

Nun sind die beiden bereit zum Abtransport. Nur noch wenige Tage, dann werden sie nicht mehr im funzeligen Grubenlicht liegen, sondern wie ihre Kumpel vorsichtig in Kisten gepackt und jahrelang in einem der Depots verschwinden, die das Deutsche Museum angemietet hat.

Für 750 Millionen Euro wird das Deutsche Museum von Grund auf saniert. Eine Gebäudehälfte hat im Sommer 2022 große Neueröffnung gefeiert, nun laufen die Vorbereitungen für die Sanierung des zweiten Gebäudeteils, in dem sich auch die Ikone des Hauses, das Bergwerk, befand.

sized

Zum Teil wurde im Bergwerk auch echtes Gestein verbaut. Es wird verpackt und aufbewahrt.

sized

Zum Teil wurde im Bergwerk auch echtes Gestein verbaut. Es wird verpackt und aufbewahrt.

sized

Zum Teil wurde im Bergwerk auch echtes Gestein verbaut. Es wird verpackt und aufbewahrt.

sized

Mehr als 100 Jahre alte Holzbalken, sogenannte Stempel für den Grubenbau, liegen gestapelt am Boden. Sie werden aufbewahrt.

sized

Schicht im Schacht: Diese beiden sogenannten Figurinen warten auf ihren Abtransport ins Depot.

sized

Das Deutsche Museum im Morgenlicht: Eine Hälfte ist bereits grundsaniert und wiedereröffnet, die zweite Hälfte soll 2028 fertig werden.

sized

Uta Dietze ist Vize-Generalbevollmächtigte Bau im Deutschen Museum. Sie gab der AZ eine exklusive Führung über die Baustelle.

Dort ist bereits Baustelle. Die Maschinen, Loren, Leitern und Werkzeuge - alles ist schon im Depot. Die Wände, die das Gestein unter Tage imitierten, sind an vielen Stellen aufgeschnitten und zum Teil bereits abgetragen. Auf dem Boden stapeln sich alte Holzbalken. Der Schacht am bisherigen Eingang zur Ausstellung, in dem ein fünf Tonnen schwerer Bohrer hing, ist zum Aufzug umfunktioniert worden. Vier Planer haben die Logistik ausgetüftelt, 15 Leute packen alles auf Transportgestelle. "Der Umzug ist eine Mörderaufgabe", sagt Uta Dietze, die Vize-Generalbevollmächtigte Bau im Museum.


Bis vor Kurzem war völlig offen, ob jemals wieder eine Bergwerksausstellung im Deutschen Museum zu sehen sein wird. In den 750 Millionen Euro Fördergeldern und Spenden für die Generalsanierung und neue Ausstellungen waren zwar die Kosten für die Einlagerung des Bergwerks beinhaltet, jedoch kein Geld für den Wiederaufbau (AZ berichtete). Auf etwa zehn Millionen Euro hatte Andreas Gundelwein, der bisherige Kurator, die Kosten für eine neue Bergwerks-Ausstellung geschätzt. Damit wäre sie mit Abstand die teuerste im ganzen Museum.


Nun gibt es erstmals die begründete Hoffnung auf einen finanziellen Grundstock für ein neues Bergwerk. Ausschlaggebend ist eine Einigung zwischen Denkmalschutz und dem Museum. "Wir haben einen guten Kompromiss gefunden", sagt Uta Dietze.

Das bayerische Landesamt für Denkmalpflege wollte ursprünglich das gesamte Bergwerk unter Denkmalschutz stellen - darunter auch 60 Prozent der Kulissen, nur völlig kaputte sollten weg. Generalkonservator Mathias Pfeil sagte im AZ-Interview, für ihn handele es sich um ein "Kunstwerk", das in seiner Gesamtheit erhalten werden müsse. Fast alles hätte zerstörungsfrei ausgebaut und aufbewahrt werden müssen. Rund 13,5 Millionen Euro kalkulierte das Museum dafür ein.

Der Denkmalschutz hat seine strengen Auflagen gelockert

Bergwerkskurator Andreas Gundelwein, der das Museum mittlerweile verlassen hat (s. Kasten), hielt davon nichts. Er plädierte dafür, deutlich mehr Kulissen, die das Gestein unter Tage imitieren, zu entsorgen - um Kosten zu sparen, und auch, da vieles fehlerhaft dargestellt sei. Das Einlagern lohne nicht.

Nach einem Streit hat man sich nun geeinigt. "Seit Oktober haben wir schriftlich, dass nicht alles unter Denkmalschutz steht", sagt Architektin Dietze. Ein Großteil der Gesteinskulissen - 85 Prozent - dürfen nun entsorgt werden. Was weg kann und was nicht, wird von Experten von "ProDenkmal" begleitet. Auch Fachleute, die derzeit die Venusgrotte in Schloss Linderhof restaurieren, sind als Gutachter dabei.

Die gute Nachricht von Uta Dietze: "Wir hoffen nun, dass vier bis fünf Millionen übrig bleiben." Dieses Geld müsste dann von Bund und Land umgewidmet werden, damit es fürs neue Bergwerk verwendet werden kann. "Wir stehen vor der fantastischen Aufgabe, wieder eine Ikone zu schaffen", sagt sie. Eine Ikone, für die die beiden Bergarbeiter und all ihre Kumpels dann wieder aus ihren Kisten dürfen.
Als nächstes lesen Sie: Einblick in die geplante Energie-Ausstellung.i