Josef Dachs blickt auf seine 18 Jahre als Bürgermeister von Grafenwiesen

Stolz auf Kläranlage und Dorferneuerung


Nach 18 Jahren an der Spitze der Gemeinde Grafenwiesen endet heute die Amtszeit von Bürgermeister Josef Dachs.

Nach 18 Jahren an der Spitze der Gemeinde Grafenwiesen endet heute die Amtszeit von Bürgermeister Josef Dachs.

Von Franz Amberger

Eigentlich wollte er den Job ja nur zwei Perioden lang machen. Aber weil die Kläranlage, eines seiner größten Ziele für Grafenwiesen, in dieser Zeit nicht machbar war, musste Josef Dachs als Bürgermeister in die "Verlängerung". Nach 18 Jahren geht seine Amtszeit heute unwiderruflich zu Ende: Am Nachmittag übergibt er den Stab an seinen Nachfolger Josef Häring.

Hochwasser und Corona

Kaum war Josef Dachs am 1. Mai 2002 in die Fußstapfen von Josef Ritzenberger getreten, wurde Grafenwiesen vom schrecklichen August-Hochwasser heimgesucht. Und seit der Kommunalwahl vor sechs Wochen steht das öffentliche Leben in der beschaulichen Regentalgemeinde unter dem Diktat von Corona. "Im Unterschied zum Hochwasser wird uns diese Krise noch länger beschäftigen und stärker betreffen", befürchtet der scheidende Bürgermeister.

Beginn und Ende seiner 18-jährigen Amtszeit stehen nicht gerade unter einem guten Stern. Dennoch hat Dachs allen Grund, zufrieden zurückzublicken: "Alle drei Perioden waren für mich eine schöne Zeit, weil wir immer an einem Strang gezogen haben", sagt er. Mit "Wir" meint er vor allem die Gemeinderäte, aber auch die Mitarbeiter in der Verwaltung, die Verantwortlichen in den Vereinen und die große Mehrheit der Bürger.

Kurpark und Schloss

Neben dem Neubau der im März in Betrieb gegangenen Kläranlage bildete die Dorferneuerung (Grafenwiesen und Voggendorf) die größte Herausforderung in der Ära von Bürgermeister Josef Dachs. Die Maßnahme steht unmittelbar vor dem Abschluss. Bei dieser Gelegenheit haben die Dorfplätze in Grafenwiesen, Voggendorf und Thürnhofen ein neues Erscheinungsbild erhalten.

Positive Auswirkungen auf den Tourismus im staatlich anerkannten Erholungsort sieht Dachs auch durch den vom Freistaat üppig bezuschussten Bau des Kurparks. Ein anderer Wunsch der Grafenwiesener ist hingegen an den finanziellen Möglichkeiten gescheitert: die Revitalisierung des verfallenden Schlosses im Zentrum der Ortschaft. Das Zündholzmuseum, das dort ursprünglich eingerichtet werden sollte, hat inzwischen eine Heimstatt im ehemaligen Lehrerwohnhaus gefunden. Und wenn mit dem Schloss - das Objekt befindet sich im Besitz der Familie Gmach - nicht bald was geschieht, wird aus dem Provisorium wohl eine Dauerlösung.

Schule und Freibad

Der Tourismus (60 000 Übernachtungen) leidet aktuell schwer an der Corona-Krise. Mit Ausnahme des Hotels Birkenhof, der Firma Allemann und diversen Handwerksbetrieben hat Grafenwiesen ansonsten keine großen Gewerbesteuerzahler. Das Dorfwirtshaus wird schmerzlich vermisst, jetzt macht sich auch noch die Sparkasse aus dem Staub. Immerhin gibt es noch eine Filiale der Raiffeisenbank, einen Lebensmittelmarkt und eine Metzgerei.

Ein schwerer Rückschlag für den Bürgermeister war die Schließung der Volksschule nach der 60-Jahrfeier 2015. Über die Nachfolgeeinrichtung in Form der Montessorischule ist Josef Dachs sehr froh. "Das war ein absoluter Glücksfall", sagt er und schwärmt von der Begeisterung, mit der Lehrer und Eltern das Haus mit Leben erfüllen.

Unverzichtbar für Grafenwiesen ist auch das sanierungsbedürftige Freibad: Nach einem Grundsatzbeschluss von 2014 will die Gemeinde die Einrichtung halten, so lange das noch irgendwie möglich ist.

Nahtloser Übergang

Dass nicht sein Wunschkandidat Michael Illichmann bei der Wahl am 15. März das Rennen gemacht hat, hat Josef Dachs inzwischen überwunden. Seinen Nachfolger Josef Häring kennt der scheidende Bürgermeister von Kindheit auf, die Gespräche zur Amtsübergabe beschreibt er als konstruktiv. Die konstituierende Sitzung des Gemeinderats findet bereits am 4. Mai statt, die Verabschiedung des Bürgermeisters und der ausscheidenden Räte wird im Sommer folgen.

Für den Bürgermeister (Jahrgang 1962) bedeutet der 1. Mai einen neuen Lebensabschnitt. Einen kleinen Vorgeschmack hat er sich schon letzten Sonntag geholt: Es war für ihn seit 2002 der erste Tag, ohne dass er im Rathaus nach dem Rechten gesehen hätte. Was ihn im "Ruhestand" erwartet? Zunächst einmal der Betrieb daheim, den längst sein Sohn weiterführt, dann die Frühstückspension mit 14 Betten, auch wenn die derzeit leer stehen. Vor allem aber will Josef Dachs die Freiheiten nutzen, um seinen Hobbys nachzugehen: Wandern, Radeln und Geocaching.

Seinem Nachfolger Josef Häring wünscht er eine glückliche Hand und vor allem, dass er den Gemeinderat hinter sich hat: "Dann geht alles leichter."