Wahlradar 2018: Jungpolitiker befragt

Bildung: Gesamtschule - Ja oder nein?


Der Wahlsonntag steht vor der Tür. Viele Menschen im Freistaat erhoffen sich von den Wahlen positive Veränderungen. Doch welche Partei, welches Bündnis könnte die bringen? idowa verschafft Klarheit - denn bei uns müssen die Jungpolitiker aus allen Gruppierungen Klartext sprechen - kurz, knapp, auf den Punkt.

Der Wahlsonntag steht vor der Tür. Viele Menschen im Freistaat erhoffen sich von den Wahlen positive Veränderungen. Doch welche Partei, welches Bündnis könnte die bringen? idowa verschafft Klarheit - denn bei uns müssen die Jungpolitiker aus allen Gruppierungen Klartext sprechen - kurz, knapp, auf den Punkt.

Von Redaktion idowa

Die vergangenen Jahre haben dem Freistaat eine Reihe von Neuansätzen in der Bildungspolitik beschert. Nach der Entscheidung rund um das G8 stehen nach wie vor Fragen in der Bildungspolitik an, so zum Beispiel: dreigliedriges Schulsystem beibehalten oder Gesamtschulkonzept?

Beim Thema Bildung gehen die Meinungen der Parteien weit auseinander. Während die einen für Gesamtschulen werben, halten die anderen an den drei bisherigen Schulformen fest. Unsere Jungpolitiker erläutern ihre Positionen im Wahlradar.

Video zum Thema:

Die Statements der Politiker im Wortlaut zum Nachlesen

Marvin Kliem, Jungsozialisten (SPD)

Stefan Karl: "Thema Bildungspolitik, da war gerade der Freistaat Bayern in schwierigem Fahrwasser. Es gab zum Beispiel die G8-Reform. Auch Bologna liegt dem Bildungssystem noch immer sehr schwer im Magen. Wie sieht jetzt der Plan für die Zukunft aus beziehungsweise welches Schulmodell favorisiert die SPD?"

"Wir als Sozialdemokratie streiten schon seit Jahren und Jahrzehnten für ein anderes Bildungskonzept. Wir sind nicht so überzeugt von diesem dreigliedrigen Schulsystem von Gymnasium, Realschule und Mittelschule. Wir wollen, dass alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam lernen können, in einer Gesamtschule beispielsweise. Da können die Stärkeren die Schwächeren unterstützen und es können alle voneinander lernen. Das ist unser Hauptkonzept und natürlich muss es auch möglich sein, dass Kinder und Jugendliche, die einfach leistungsstärker sind, das Abitur machen. Wir sind nur mit der aktuellen Aufteilung in dieses dreigliedrige Schulsystem nicht ganz zufrieden. Da kann man ein bisschen etwas anders machen, es ein bisschen gerechter für alle Schülerinnen und Schüler gestalten."

Paul Linsmaier, Junge Union (CSU)

Stefan Karl: "Unter anderem im RCDS haben Sie die Bildungspolitik der CSU erfolgreich vermitteln können. Von Seiten der Bevölkerung sind manche Reformen, die in den vergangenen Jahren angestoßen wurden, eher als halbgar empfunden worden, im speziellen die G8-Reform, die jetzt wieder zurück gedreht wird. Was soll die Leute darin bestärken, der CSU ihre Stimme zu geben und darauf zu vertrauen, dass die zukünftigen Reformen eben keine halbgaren Sachen sind, eben keine Versuchsballons, die man dann wieder einfangen muss?"

"Ich glaube, man muss Dinge auch mal ausprobieren. Das ist ganz wichtig, weil wenn man sich immer nur auf etwas versteift und alles besser weiß, dann kommt man nicht zum Erfolg. Es ist richtig, da war viel Unruhe in den letzten Jahren in der Schulpolitik. Wir haben jetzt einen neuen Kultusminister, Bernd Sibler, der in Niederbayern der Spitzenkandidat der CSU ist, der die ersten Wochen und Monate mit Bravour gemeistert hat, sehr viel positive Zustimmung bekommen hat und wir haben einen klaren Kurs, was das Gymnasium angeht. Wir schaffen jetzt 4.000 weitere Lehrerstellen, wir haben digitale Klassenzimmer, 50.000 sollen es werden. Wir haben also einen klaren Kompass für die Bildungspolitik. Und es gibt niemanden, der bezweifelt, dass Bayern das Land ist, in dem die Schüler und die Abiturienten die erfolgreichsten in Deutschland sind. Und von daher ist das ein sehr gutes Zeichen, dass die Bildungspolitik, die in Bayern gemacht wird, sehr sehr gut ist."

Felix Locke, Junge Freie Wähler (Freie Wähler Bayern)

Stefan Karl: "Ein Bildungsexperiment ist mit dieser Woche zu Ende gegangen. Wo geht aus Sicht der Freien Wähler der Weg in der Zukunft hin?"

"Man muss sagen, dieses Experiment, was sie so schön gesagt haben, hat sehr vielen Kindern sehr viel "Leid" angetan und auch sehr vielen Eltern und Lehrern sehr viele graue Haare beschert. Wir Freien Wähler sind auch der Grund dafür, warum es dieses 8-jährige Gymnasium nicht mehr gibt. Der Trend geht klar immer noch zu diesem dreigleisigen System, Mittelschulen, Realschulen und Gymnasien. Wir müssen aber generell die Schulfächer einfach mal hinterfragen. Wir stellen uns ein Extrafach vor, das digitale Kompetenz mit beinhaltet, um auf die Berufe von morgen vorzubereiten. Des Weiteren wollen wir auch einfach in allen Schulsystemen, auch schon in der Grundschule, ein Fach, das das Thema Alltagskompetenz betrifft. Alltagskompetenz im Sinne von, ich bin 30, kann zwar integrieren und ableiten, weiß aber nicht, wie man eine Steuererklärung macht. Ich glaube, da muss die Schule auch noch einmal nachsitzen und diese Problematik zusammen mit dem Kultusministerium lösen."

Marius Brey, linksjugend ['solid] (Die Linke)

Isabel Klingseisen: "Die Linke wirbt auch mit inklusiven Gemeinschaftsschulen. Es wird auch davon gesprochen, dass kein Kind und kein Jugendlicher außen vor gelassen wird. Die vergangenen Jahre haben natürlich auch dem Freistaat einige Experimente beschert, G8 ist das jüngste Beispiel. Welchen Umbau und welche Reform schweben denn den Linken beim Bildungssystem vor?"

"Man muss am Anfang einmal festhalten, dass in keinem Bundesland die Chancen, die die Kinder haben, so stark vom Geldbeutel der Eltern abhängen, wie in Bayern. Wir sagen ganz klar, der Zugang zu Bildung muss immer frei, er muss gleich und er muss kostenlos sein. Das fängt in der Kita an, wo wir sagen: die Kita-Gebühren müssen abgeschafft werden - wie es zum Beispiel das rot-rot-grün-regierte Berlin jetzt gemacht hat. Es braucht in jeder Schule, in jedem Kindergarten ein warmes, gesundes Essen für die Kinder. Und es braucht auch Zugang zu lebenslangem Lernen, weil nur so können wir in einer Arbeitswelt voller Umbrüche dafür sorgen, dass niemand auf der Strecke bleibt."

Benjamin Nolte, Junge Alternative (AfD)

Stefan Karl: Aus Sicht der AFD, ist das dreigliedrige Schulsystem ein Zukunftsmodell. Wie sieht aus Ihrer Sicht das ideale Bildungssystem aus?

"Für uns ist in jedem Fall das dreigliedrige Schulsystem das Erfolgsmodell und somit auch das Modell für die Zukunft, denn das Experiment Gesamtschule ist in den Ländern, die versucht haben, es umzusetzen, ebenfalls gescheitert. Wir haben einfach Schüler mit unterschiedlichen Voraussetzungen, unterschiedlichen Begabungen. Ich will da jetzt auch nichts schlecht reden, aber wenn einer eher praktisches Talent hat, dann soll das auch entsprechend gefördert werden."

David Berends, Junge Liberale (FDP)

Stefan Karl: Ein altes Sprichwort sagt: "Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir" - und auch nicht nur für die Arbeit. Wie ist unser Bildungssystem aufzustellen, dass es die Menschen nicht nur auf die Arbeits-, sondern auch auf die Lebenswelt von morgen vorbereitet?

"Das Stichwort 'Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir' ist wirklich ein sehr gutes. Ich finde, man muss Lernen eben als lebenslanges Konzept sehen. Das bedeutet auch, dass man eben nicht nur an das Gymnasium, an das Studium und an die Grundschule knüpft, sondern dass man auch im Kindergarten, in der Kita anfängt, den Leuten Bildung zu vermitteln. Das heißt, dass natürlich jedes Kind einen Anspruch auf so einen Platz braucht. Das heißt aber natürlich auch, dass viel in Erwachsenenbildung gesteckt werden muss. Erwachsenenbildung führt auch dazu, dass Leute sich immer weiter bilden können - und eben auch alte Leute. Wir hatten den Punkt mit der Digitalisierung und wie die das Arbeitsleben verändert. Alte Leute können sich dann auch weiterbilden und haben die Möglichkeit weiter in ihren Berufen zu bleiben."

Stefan Karl: Speziell in den Gymnasien gab es einen Versuchsballon, den die CSU wieder einfangen musste. Was ist letztlich die Lehre aus dieser G8-Misere?

David Berends: "Sie haben es gesagt. Das Stichwort Versuchsballon ist es einfach schon. Ein Ballon platzt leicht. Wenn wir es einfach als Versuch darstellen, ohne wirklich ein hinreichendes Konzept zu entwickeln, dann ist doch klar, dass das Ganze an die Wand fährt. Man muss erst einmal vernünftige Konzepte machen. Ab 2025/2026 haben wir jetzt wieder G9. Ab dann müssen wir schauen, dass das vernünftig funktioniert. Die optimale Lösung wäre, wenn wir den Schülern, die es früher fertig bringen wollen, die Möglichkeit dazu geben, ohne die Anderen unnötig zu belasten."

Nachfrage Stefan Karl: Besonders von Seiten der linken Parteien, wird ja das dreigliedrige Schulsystem des öfteren kritisiert. Wo ist die FDP hier zu verorten?

David Berends: "Wir halten klar am dreigliedrigen Schulsystem fest. Wichtig ist es, dass wir das Individuum fördern. Das können wir mit einer Einheitsschule ganz klar nicht machen."

Marlene Schönberger, Grüne Jugend (Bündnis '90 - Die Grünen)

Isabel Klingseisen: "Sie und damit die Grüne Jungend werben mit inklusiven Gemeinschaftsschulen und Ganztagsunterricht für alle Kinder und Jugendlichen. Die vergangenen Jahre haben nun auch dem Freistaat gezeigt, dass manche Experimente vielleicht nicht ganz so erfolgreich waren - Stichwort G8. Welcher Umbau und welche Reform schweben denn den Grünen beim Bildungssystem vor?"

"Wir wollen gleiche Chancen für alle Kinder, unabhängig von der Herkunft. Man weiß, dass in ganz Deutschland die Herkunft, also der Bildungsstand und das Einkommen der Eltern noch wichtig für den Bildungserfolg der Kinder ist. Das wollen wir beenden. Wir wollen kein Kind zurücklassen. Deswegen möchten wir auch Ganztagsunterricht in Gemeinschaftsschulen. Und ich finde es zynisch, dass über G8, G9, über das Gymnasium diskutiert wird, während es in Bayern allein eine Millionen Menschen gibt, die nicht ausreichend lesen und schreiben können."