Bayern

Flutpolder: Glauber sieht Politik in der Pflicht

Entscheidung über Hochwasserschutz-Projekte bei Regensburg im Frühjahr 2020


Flutpolder und Hochwasserschutz: Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (l.) stellte sich den Fragen von Manuel Krüger (Donau TV) und Peter Kallus (r., Donau-Anzeiger).  Foto: ip

Flutpolder und Hochwasserschutz: Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (l.) stellte sich den Fragen von Manuel Krüger (Donau TV) und Peter Kallus (r., Donau-Anzeiger). Foto: ip

Von Peter Kallus

Kommen die Flutpolder Wörthhof und Eltheim bei Regensburg nun, oder kommen sie nicht? Deggendorfer Opfer der Flutkatastrophe 2013 sind mehr als angefressen, nachdem diese Hochwasserschutzeinrichtungen im Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freien Wählern wieder von der Agenda gestrichen wurden. Nun stehen sie - nach heftigen Protesten - erneut auf dem Prüfstand, was jetzt wiederum die Anrainer der Großbauten im Landkreis Regensburg verärgert.

"Wir stehen in der Verantwortung, für die Menschen an der Donau den bestmöglichen Hochwasserschutz zu schaffen", sagt Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). Derzeit würden zu der anvisierten Flutpolder-Kette entlang der Donau alle wissenschaftlichen Expertisen zusammengetragen - sie sollen dann Anfang 2020 vorliegen. Anhand dieser Faktenlage solle dann schnellstmöglich eine definitive Entscheidung über die gesteuerten Polder fallen, sicherte Glauber gestern bei einem Interviewtermin bei Niederbayern TV in Deggendorf zu. Im Gespräch mit Moderator Manuel Krüger und Redakteuren der Mediengruppe Straubinger Tagblatt / Landshuter Zeitung warb er bei den betroffenen Bürgern um Geduld.

Flutpolder und Hochwasserschutz: Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (l.) stellte sich den Fragen von Manuel Krüger (Niederbayern TV) und Peter Kallus (r., Donau-Anzeiger).  Foto: ip

Flutpolder und Hochwasserschutz: Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (l.) stellte sich den Fragen von Manuel Krüger (Niederbayern TV) und Peter Kallus (r., Donau-Anzeiger). Foto: ip

Die Ernüchterung

Eigentlich fühlten sich die Bürger im Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf, den es beim Hochwasser vor sechs Jahren so schlimm erwischt hatte, schon auf der sicheren Seite. Ein umfassendes Schutzkonzept war zunächst schon beschlossene Sache. Um so enttäuschter waren die Betroffenen, als im Koalitionsvertrag die Polder bei Regensburg - wo Tanja Schweiger, die Lebensgefährtin von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger, Landrätin ist - gestrichen wurden.

Während die Donau-Anrainer-Landwirte in der Oberpfalz jubelten, wuchs in Niederbayern die Besorgnis, dass es mit dem umfassenden Hochwasserschutz nun nichts mehr werde. Nicht zuletzt Aiwangers Parteikollege Glauber ist es zu verdanken, dass es nun doch noch Hoffnung für die umstrittenen Flutpolder gibt. Thorsten Glauber ist zwar selbst Ingenieur, doch will er sich in dieser Frage lieber auf die Experten von der Technischen Universität München verlassen. Dort laufen derzeit die vertieften Untersuchungen, ob die besagten Polder verzichtbar sind, oder ob sie in der 13-poldrigen "Perlenkette" der Hochwasserschutzmaßnahmen unentbehrlich sind.

Bis Frühjahr 2020 müssen sich die Donau-Anrainer noch gedulden - erst dann dürfte das Gutachten abgeschlossen sein, informierte Glauber gestern im Studio von Niederbayern TV. Das Gutachten beschäftigt sich vor allem mit der Wirkungsweise der Polder, aber auch mit der Frage, welche Alternativen es dafür geben könnte.

Doch auch dann, wenn die Polder nun doch gebaut werden, müssen sich die Unterlieger laut Glauber gedulden: Bei einem vergleichbaren Projekt habe es bis zur Realisierung 13 Jahre gedauert, so das Kabinettsmitglied. Außerdem stellte Glauber klar, dass er als Umweltminister für ganz Bayern neben den Donau-Unterliegern auch die Interessen der Menschen im Regensburger Raum im Blick haben müsse.

Langer Atem vonnöten

Zusammenfassend beteuerte der Minister, dass der Schutz der Bürger vor Naturkatastrophen für ihn oberste Priorität habe. Er räumte aber ein, dass man für ein umfassendes Hochwasserschutzkonzept einen langen Atem brauche - und sich die Bürger noch in Geduld üben müssten. Bis eine Entscheidung getroffen und der Schutz optimiert ist, wird also noch viel Wasser die Donau hinunterfließen. Bleibt zu hoffen, dass es bis dahin kein Rekord-Hochwasser gibt, das sogar die Flut 2013 in den Schatten stellt.